Story

Rahel leitet in ihrer festangestellten Tätigkeit das Team des Visitor Services & Events am Flughafen Zürich. Daneben baut die passionierte Privatpilotin seit Anfang 2018 - zusammen mit ihren beiden Geschäftspartnerinnen - erfolgreich ihr Start-up #clearedtoland auf.

Stillstand war für mich nie eine Option

Die #clearedtoland Crew von sieben Pilotinnen und Aviatikexpertinnen vermittelt anhand von Tools aus dem Cockpit, wie jeder der eigene Pilot-in-Comand sein kann und wie die berufliche und persönliche Punktlandung gelingt. Fünf der sieben Crew Mitglieder sind "Working Moms". Rahel ist Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern.

Rahel Kindermann
Name
Rahel Kindermann
Alter
52
Neustart
2018
Branche
Workshops, Keynotes, Coaching & Consulting

Rahel, wie bist du auf die Idee gekommen, dass Wissen, Denkweisen & Tools, die dir als Pilotin zur Verfügung stehen, auch in anderen Kontexten nützlich sein könnten?

In meiner beruflichen Tätigkeit und in meiner Freizeit als Privatpilotin sind mir immer wieder Parallelen zwischen beiden Bereichen aufgefallen. Es gab zahlreiche Herausforderungen, bei denen ich in der Projektarbeit von den Grundlagen meiner Flugausbildung profitieren konnte. Ich habe festgestellt, dass es auch beruflich und privat durchaus gewinnbringend ist, sich Fähigkeiten aus dem Cockpit anzueignen und als «Pilot in Command» sicher und erfolgreich auf das gewünschte Ziel hin zu steuern und «den Blickpunkt am Horizont» nicht aus den Augen zu verlieren. Bei #clearedtoland haben wir daraus die 8 Kernpunkte des #clearedtoland Erfolgsprinzips entwickelt. Darauf basieren unsere Workshops, Keynotes sowie das Coaching und Consulting.

Und was waren dann die ersten Steps, als der Wunsch zum eigenen Unternehmen aufstieg?

Für mich ist es bereits die 3. Firmengründung. Diese war jedoch nicht zwingend geplant, sondern entwickelte sich sozusagen «along the way». Am Anfang stand ein Artikel, den ich im November 2017 auf LinkedIn veröffentlichte: «Was Projektleiter von Pilotinnen lernen können». Die Resonanz darauf war so umfangreich und positiv, dass ich entschied, dieses Know-how zukünftig auch in Workshops anzubieten. Daraus entstand Anfang Januar 2018 unser Start-up #clearedtoland, zu dem heute zwei Geschäftspartnerinnen gehören.

Was genau bietet ihr aktuell an und natürlich für wen?

#clearedtoland inspiriert und befähigt zum Mindset «I am cleared to land». Unser Slogan lautet: «We empower you to be the pilot in command (PIC) of your life.» Wir vermitteln praktische, sofort umsetzbare Tools aus dem Cockpit anhand des «#clearedtoland Erfolgsprinzips». #clearedtoland besteht aus einer Crew von Pilotinnen und Aviatikexpertinnen mit Business Hintergrund (Erfahrung in Management, Consulting, Coaching, Kommunikation, Change und Continuous Improvement). Übrigens nennen wir uns als Trainerinnen und Keynote Speaker auch die «Glamrockband der Aviation». Es gibt jeden Tag zahlreiche Themen, die mir aus meiner Zeit als Musikerin mit eigener Band sehr bekannt vorkommen. Erstaunlich, wie viele Parallelen es hier gibt!

Unsere vier Standbeine bei #clearedtoland

  • Seminare
  • Keynotes
  • Consulting
  • Coaching

Unsere Schwerpunktthemen

Je nach Kundenschwerpunkt wählbar und massgeschneidert auf unsere Kunden angepasst:

  • Empowerment
  • Self-Leadership
  • Change und Kommunikation
  • Mental Training
  • Team/Vertrauen
  • Umgang mit Widersprüchen
  • Vereinbarkeit von Beruf & Familie
  • Bei Bedarf auch erweiterte Crew zu Schwerpunktthemen Continuous Improvement/Kaizen, Projektmanagement, Crew Ressource Management, Just Culture

Unsere Zielgruppen

Diejenigen nationalen und internationalen Unternehmen, die sich unsere Angebote leisten können und wollen. Und natürlich auch Einzelpersonen, für die wir Workshops anbieten - der nächste findet übrigens am 13. November 2020 statt.

Alle Angebote von #clearedtoland können in englischer und deutscher Sprache gebucht werden.

Du baust deine Selbständigkeit ja auf, während du noch ganz normal angestellt bist. Was ist dein Antrieb (ausser, dass du eine gute Idee hattest) dies zu tun?

Ich komme aus einer Unternehmerfamilie und war selbst über 20 Jahre selbständig tätig. Für mich war damals in 2005 eher die angestellte Tätigkeit etwas Neues. Ich habe auch als fest angestellte Mitarbeiterin immer unternehmerisch gedacht und stets neue Ideen eingebracht, um innovativ zu bleiben. Ich hatte immer schon einen starken Antrieb, im Sinne eines «Continuous Improvements», Dinge voranzubringen. Stillstand war für mich nie eine Option, auch nicht als angestellte Mitarbeiterin. Für mich ist #clearedtoland ein absolutes Herzensprojekt, da sich hier meine grosse Leidenschaft für die Aviatik mit Unternehmertum vereint. Auch habe ich den grossen Wunsch, mit dem #clearedtoland Erfolgsprinzip anderen Menschen ein sehr einfaches und wirkungsvolles Handwerkszeug für ihre persönliche und berufliche Punktlandung mitzugeben. Und wenn ich dies noch dazu mit einer tollen und extrem spannenden Crew tun kann, ist dies einfach grossartig.

Rahel Kindmann 2

Wie unterstützt dich dein Arbeitgeber, der Flughafen, dabei?

Mein Arbeitgeber unterstützt mich dahingehend, dass er die die selbständige Arbeit neben meiner 80% Tätigkeit am Flughafen Zürich genehmigt hat. Die Bereiche ergänzen sich gut, ich kann vieles jeden Tag in meine Arbeit am Flughafen einbringen. Für mich ist es nicht selbstverständlich, dass mir die Tätigkeit mit meinem Start-up ermöglicht wird. Ich denke aber, dass mein unternehmerisches Denken auch für meine angestellte Tätigkeit ein grosser Vorteil ist.

Siehst du da eigentlich einen Trend, dass mehr und mehr Menschen nach langen Berufsjahren nochmals etwas ganz Neues beginnen möchten?

Ich glaube, dass wir heute nicht mehr «die eine Karriere» haben, sondern mehrere. Aus meiner Sicht ist es eine sehr erfreuliche Entwicklung, dass man heute nicht notwendigerweise 30-40 Jahre bei einer Firma tätig ist, sondern sich im Laufe des Lebens immer wieder neu hinterfragen und neu erfinden kann. Ich hatte immer sehr viele unterschiedliche Interessen und habe an verschiedenen Punkten meines Lebens neue Projekte, Jobs und Herausforderungen angepackt. Nach meiner Matura mit 18 Jahren bin ich ohne einen Rappen Geld auf Weltreise gegangen und habe mir zwei Jahre rund um die Welt unterwegs erarbeitet. Nach meinem Studium als Betriebswirtin bekam ich damals mit meiner Band «Even Cowgirls get the Blues» einen Plattenvertrag bei MCA (heute Universal). Da war klar, dass ich bei solch einer Chance zupacke! Danach war ich mit abgeschlossenem BWL Studium erst einmal 5 Jahre auf Tournee. Diese intensive Erfahrung hat mir in späteren Tätigkeiten immer wieder geholfen, z.B. im Zusammenhang mit Fokussierung, Kommunikation und Teamarbeit. Später im Jahr 2004, als ich in Berlin schon 4 Jahre mit meiner eigenen Agentur erfolgreich selbständig war, lernte ich meinen Mann - einen Schweizer - kennen und bekam die Möglichkeit, am Flughafen Zürich meinen Traumjob zu übernehmen. Also habe ich damals von einem Tag auf den anderen alles eingepackt und bin nach Zürich gegangen, obwohl ich die Stadt kaum kannte. Ich mag kaltes Wasser!

Für viele Menschen ist es ein Bedürfnis, rund um das Alter 50 nochmals etwas Neues anzupacken. Vielleicht sind die Kinder «aus dem Gröbsten raus» und man fragt sich, was man die nächsten 20 Jahre noch mit dem Berufsleben anfangen möchte. Auch die Sinnhaftigkeit der Arbeit wird vielleicht mehr hinterfragt in diesem Alter. Ich selbst möchte auch mit über 50 Jahren noch berufliche Tätigkeiten ausüben, für die ich brenne und die meine Begeisterung entfachen. Das geht sicher vielen Menschen so.

Und sind wir als Gesellschaft bereit dafür?

Nein, aus meiner Sicht sind wir das noch in keiner Weise und ich finde das sehr bedauerlich! Wie oft höre ich in meinem Arbeitsleben: «Wir möchten die Frauen zwischen 30 und 40 Jahren fördern». Das ist natürlich ein wichtiges Ziel (ganz abgesehen davon, dass in der Schweiz auch dies nicht in genügendem Umfang geschieht), aber im Sinne von Diversity geht es auch darum, in Teams Mitarbeitende verschiedenster Altersgruppen zu fördern und zu integrieren. Sicher gibt es einige Menschen, die ab 50 Jahren abstellen und auf ihre Pensionierung warten. Aber es gibt auch ganz viele neugierige Menschen, die darauf brennen, nochmals richtig durchzustarten und die mit ihrer Erfahrung und ihrem Know-how aus einem langen Arbeitsleben sehr viel zum Erfolg eines Unternehmens beitragen können. Gerade auch Frauen in diesem Alter sind ein sehr vielversprechendes Potential. Die meisten haben dann die Familienphase mit den kleineren Kindern hinter sich und spüren, z.B. mit grösseren Kindern, dass es wieder mehr Luft gibt. Auch in diesem Alter kann man wunderbar nochmals durchstarten. Und von diesen Mitarbeitenden gibt es ein sehr grosses Committment, auf das sich Arbeitgeber verlassen können. Ich habe ein Masterstudium gestartet: Für mich heisst es «Never stop learning» und in jedem Alter geht es darum, stets den Horizont zu erweitern.

Hast du noch einen Profi-Tipp für angehende Neustarterinnen und Neustarter?

Verwirkliche Deine Ziele und lass Dich von Hindernissen nicht abhalten. Nicht umsonst heisst unser #clearedtoland Kernpunkt 6 «Focus on your Horizon». Dabei geht es darum, auch in anspruchsvollen Zeiten niemals den Blickpunkt am Horizont aus den Augen zu lassen und sich nicht «in kleinteiliger Navigation» zu verlieren. Es ist nicht immer einfach, durchzuhalten, aber es lohnt sich!

Und wie geht`s mit #clearedtoland weiter?

Wir hatten Anfang diesen Jahres 2020 volle Auftragsbücher und waren am Durchstarten. Wie viele andere auch, haben auch wir die Coronakrise sehr deutlich zu spüren bekommen. Gerade auch für uns als Start-up war/ist diese Zeit eine sehr grosse Herausforderung. Aber wir konnten zum Glück viele unserer Aufträge in den Herbst 2020 verschieben. Letztendlich haben uns unsere 8 Kernpunkte des #clearedtoland Erfolgsprinzips nun selbst sehr geholfen, durchzuhalten! So sind wir - wie zahlreiche andere Firmen auch - aktuell im «Holding» und warten darauf, «cleared to land» zu sein.

Viel Erfolg dabei!


Rahel im Web:

Haben Sie eine Frage an Rahel Kindermann?