Story

Gunvor Schmalisch (52), Gründerin und Besitzerin eines Highend-Vintage-Geschäfts.

Ich kann nur allen raten, von Anfang an groß zu denken

Früher war Gunvor Schmalisch Kulturmanagerin und Leiterin des Mädchen- und Frauenzentrums Berlin Kreuzberg, dann gründete sie eine Highend-Vintage-Geschäft in Berlin Mitte.

Gunvor Schmalisch
Name
Gunvor Schmalisch
Alter
52
Neustart
2015
Branche
Handel

Was haben Sie gemacht bevor Sie Ihren Vintage Store Gunvor eröffnet haben?

Ich habe 9 Jahre das Mädchen und Frauenzentrum in Kreuzberg geleitet, davor habe ich als Kulturmanagerin gearbeitet. Nach internen Schwierigkeiten mit dem Träger wurden mein Team und ich gekündigt. Da stand ich nun mit 50 und dachte “Was machste jetzt?”. Selbständig machen, das wollte ich mich schon immer. Da ich schon immer sehr modeaf-fin war, habe ich mir Bücher gekauft über Mode, Labels und Design und den Plan ge-schmiedet einen “Designer Second Hand Laden” zu eröffnen.

Es ist mir wichtig besondere Labels zu haben, die mir auch selbst gefallen, mit denen ich mich gerne umgebe. Die Leidenschaft für Gutes & Schönes wurde mir schon in die Wiege gelegt. Mein Großvater hatte eine Klischeeanstalt und mein Vater entwarf Reiseneces-saires. Bei uns zu Hause wurde immer gemalt, gezeichnet und genäht. Ich liebe vor allem die Avantgardisten unter den Modemachern wie Walter van Beirendonck, Rick Owens, Maison Martin Margiela und Comme des Garcons.

Wie sind Sie konkret mit Ihrem Geschäft gestartet?

Ich meldete mich arbeitslos und belegte in den nächsten Monaten verschiedene Semina-re: Existenzgründung, Buchhaltung, Crowdfunding, Marketing, Social Media und Presse-arbeit. Die Seminare musste ich selbst bezahlen. Um einen Gründungszuschuss zu bean-tragen schrieb ich einen Businessplan für die Agentur für Arbeit. Diese Förderung ist eine “Kann”-Leistung. So hängt es von der Sachbearbeiterin ab, ob man diese bekommt. Trotzdem musste ich pro Monat 10 Bewerbungen für eine Festanstellung vorlegen.

Für den Bankkredit brauchte ich einen Coach zur Erstellung eines weiteren Business-plans. So bewarb ich mich für ein 4-tägiges Assessment und erhielt, nach Bestehen, diese 30 Stunden Coaching.

Wer hat Sie inspiriert oder unterstützt?

Inspirieren tut mich natürlich nach wie vor die Mode selbst. Rein praktisch hat mich mein Freund, er ist Anwalt für Gesellschaftsrecht, beim Erstellen der Businesspläne unterstützt. Freundinnen und Freunde haben mir geholfen z.B. beim Ausbau des Ladens.

Würden Sie heute etwas anders machen?

Ich würde heute mehr Geld nehmen! (lacht) Think Big! Ich könnte mir zum Beispiel auch gut größere Räume vorstellen oder noch ein Café im Laden zu betreiben. Einen Online Shop würde ich nicht machen, dazu ist mir der Kontakt mit meinen Stammkundinnen und neuen Kundinnen zu wichtig.

Was macht Sie heute stolz oder freut sie am meisten?

Mich freuen zwei Dinge am meisten: 1. Wenn ich tolle neue Ware reinbekomme und 2. Wenn eine Kundin ein schönes neues Teil bei mir findet und strahlend den Laden verlässt. Ich finde es aber auch schön, wenn Menschen einfach so in den Laden kommen und sich an den besonderen Kleidungsstü-cken erfreuen und einen Espresso mit mir trinken.

Im Web:

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