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Welche Konsequenzen haben schwierige Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend beim Älterwerden?

Welche Konsequenzen haben schwierige Erlebnisse aus der Kindheit und Jugend beim Älterwerden?

Schwierige Ereignisse in der Kindheit und Jugend können vielfältige und tiefgreifende Auswirkungen auf das spätere Leben haben, die bis ins hohe Alter reichen können. In einer neuen Studie möchte das Psychologische Institut der Universität Zürich das volle Spektrum, also negative und allenfalls auch positive Konsequenzen von schwierigen Erlebnissen in der Kindheit und Jugend im Hinblick aufs Älterwerden untersuchen. Und suchen männliche Probanden 65plus!

Ein Artikel von der Universität Zürich.

Studien belegen, dass ältere Menschen mit schwierigen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend häufiger an depressiven Verstimmungen oder posttraumatischen Belastungssymptomen leiden. Oder dass sie anfälliger für bestimmte körperliche Erkrankungen im Alter sind. Obwohl diese Befunde sehr wichtig sind, besonders wenn es um die Schaffung neuer Hilfsangebote geht, ist das eine zu einseitige Perspektive.

Andere wissenschaftliche Studien haben nämlich gezeigt, dass viele Menschen trotz schwieriger Erlebnisse in der Vergangenheit ihr ganzes Leben mehrheitlich gesund bleiben. Das wird in der Forschung mit dem Begriff «Resilienz» beschrieben. Das Thema Resilienz wurde in der Forschung mit älteren Menschen bisher stark vernachlässigt. Jedoch wäre es sehr wichtig zu verstehen, wieso jemand trotz schwieriger Erlebnisse in der Kindheit und Jugend das Leben einigermassen gut meistert und vielleicht in bestimmten Bereichen sogar positive Fähigkeiten oder Eigenschaften entwickelt hat, die andere Menschen, die solche Erlebnisse nicht hatten, nicht entwickelt haben.

Teilnehmer gesucht!

In unserer Studie möchten wir gerne das volle Spektrum, d.h. negative und allenfalls auch positive Konsequenzen von schwierigen Erlebnissen in der Kindheit und Jugend im Hinblick aufs Älterwerden untersuchen. Aus diesem Grund möchten wir uns einerseits an Personen wenden, die in ihrer Kindheit und Jugend in der Schweiz administrativ versorgt worden sind, indem sie beispielwiese als Verdingkind aufgewachsen sind. Diese Personen sind für uns von besonderem Interesse, weil wir annehmen, dass sie mitunter Ereignisse in dieser Zeit erlebt haben, die manchmal sehr schwierig gewesen sein müssen. Deshalb möchten wir gerne verstehen, wie diese Personen mit den damals erlebten Ereignissen umgegangen sind.

Andererseits suchen wir auch Personen, die ihre Kindheit und Jugend in der Schweiz verbracht haben und nicht von administrativer Versorgung betroffen waren. Diese Personen müssen auch nicht zwingend etwas schwieriges in Ihrer Kindheit und Jugend erlebt haben. Das Ziel unserer Studie ist es, neue Erkenntnisse über unterschiedliche Altersverläufe nach unterschiedlichen Ereignissen in Kindheit und Jugend zu bekommen. Diese Erkenntnisse sollen dazu beitragen, spezifische Unterstützungsmöglichkeiten zu entwickeln, um betroffenen Personen in Zukunft verbesserte Unterstützungsmöglichkeiten zu bieten.

Wie wir vorgehen

Die Studie beinhaltet vier persönliche Interviews. Jedes Interview dauert maximal 120 Minuten.

Während des ersten persönlichen Interviews werden hauptsächlich Fragen zum psychischen Gesundheitszustand gestellt. Das machen wir mit einem klinischen Interview. Dieses Interview wird von speziell ausgebildeten Personen des Projekts durchgeführt.

Während des zweiten Termins werden wir einige Fragen über die körperliche Gesundheit, kognitive Verarbeitung und schwierige Erfahrungen aus der Kindheit und der Vergangenheit im Allgemeinen durchgehen. Ausserdem werden kognitive und physische Fähigkeiten erfragt.

Diese beiden Interviewtermine und das zusätzliche Fragebogendossier werden dann nach einer 18-monatigen Pause mit ähnlichen Inhalten wiederholt. Während der 18 Monate werden wir alle drei Monate telefonisch mit Ihnen Kontakt aufnehmen und Ihnen ein paar Fragen, maximal 15 Minuten, zum körperlichen und psychischen Gesundheitszustand stellen. Für die Teilnahme an der gesamten Studie (vier Gesprächstermine und zwei Fragebogendossiers) werden insgesamt 480 CHF vergütet. Die Hälfte davon, 240 CHF, wird bereits nach der ersten Hälfte, also nach den ersten beiden Interviews und der Rückgabe des Fragebogendossiers, ausgezahlt. Reisekosten für ÖV (2. Kl., Halbtax) können anteilig gegen Vorlage einer entsprechenden Quittung mit einem Pauschalbeitrag rückvergütet werden.

Da die Studie nun schon seit einigen Wochen läuft, suchen wir momentan noch männliche Studienteilnehmer, die mindestens 65 Jahre alt sind, und als Muttersprache Schweizerdeutsch sprechen. Es ist dabei keine Voraussetzung, dass in der Kindheit oder Jugend ein schwieriges Erlebnis vorliegt.

Alle Angaben und Daten von Ihnen werden streng vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Ihre ausgefüllten Fragebogendossiers und Daten aus dem klinischen Interview werden getrennt von Ihren persönlichen Angaben wie Name und Adresse aufbewahrt. Letztere werden nur intern gespeichert und nur Studienmitarbeitende besitzen darauf Zugriff. Die Auswertung der Daten erfolgt anonymisiert. Ihre persönlichen Daten werden nach Abschluss der Studie gelöscht.

Die Studie wird vom Psychologischen Institut der Universität Zürich unter der Leitung von Dr. Myriam Thoma und Professor Dr. Dr. Maercker, sowie den Doktorandinnen Viviane Pfluger, Carla Eising und Shauna Mc Gee durchgeführt. Dieses Projekt ist gefördert durch den Schweizerischen Nationalfond und ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms 76 «Fürsorge und Zwang».

Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, können Sie gerne weitere Informationen aus unserem Studienflyer entnehmen. Wir freuen uns auf Sie!

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