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Sinnvoll schenken – nicht nur an Weihnachten

Sinnvoll schenken – nicht nur an Weihnachten

Corine, Regula und Pia sind mit ihrer Stiftung Generationen-Dialog neu-gestartet und haben eine innovative Plattform entwickelt: «Schenkzeit» – ein Online-Shop für sinnvolle, nachhaltige Geschenke für die Babyboomer-Generation, zum Beispiel ein gemeinsamer Ausflug in die Natur, ein Kreativ-Workshop für die ganze Familie oder spannende soziale Engagements. Ein Interview mit dem «Schenkzeit»-Team.

Hier die Frage aller Fragen, nämlich nach der Idee! Wie kamt ihr darauf, einen Online-Shop für sinnvolle Geschenke zu entwickeln, mit der speziellen Zielgruppe: «alte Hasen»? Oder war es keine zündende Idee, sondern mehr ein Prozess? Erzählt mal!

Regula: Es war ganz klar ein Prozess! Gestartet vor gut 1,5 Jahren mit dem Auftrag, ein nationales Projekt zu entwickeln, das unserem Stiftungszweck treu bleibt, nämlich Antworten zu finden für die Gestaltung des demografischen Wandels.

Entwickelt haben wir die Idee agil, zusammen mit dem Impact Hub Zürich und weiteren Partnern wie der Fachhochschule Bern. Am Anfang stand die Zielgruppe – die «alten Hasen» sind eine grosse Bevölkerungsgruppe mit Potential. Mit ihr kennen wir uns durch unsere bisherigen Engagements bereits gut aus. Wir wollten was Innovatives entwickeln, das positiv besetzt ist.

An einem Workshop kamen wir auf das Thema «Schenken» und die Idee, die Babyboomer durch den Mechanismus des Schenkens besser erreichen zu können – über ihr näheres Umfeld.

Pia, von dir höre ich in letzter Zeit öfter das Wort «Mission»?

Pia: Wir verfolgen mit Schenkzeit drei Absichten. Wir wollen Jung und Alt zusammenbringen, das Potential der Babyboomer-Generation für gemeinnützige Projekte nutzen und ihnen Impulse für ihre Gesundheit geben. Auf Schenkzeit gibt es deshalb die sechs Themen «Philosophie, Zuhause, Natur, Kultur, Gesundheit, Bildung». Die Geschenke dazu sind bewusst ausgesucht und tragen zu einem glücklichen Älterwerden bei.

Ein Beispiel: Ich spende im Namen meines Vaters für das sogenannte «Bergwaldprojekt», gleichzeitig erhält er Informationen zu den Projektwochen. Im besten Fall wird er animiert, dort anzupacken und erfährt Neues über die Kulturlandschaft im Berggebiet. Und vielleicht fragt er mich oder einen Freund, ob wer mitmachen möchte. Quasi drei Fliegen auf einen Schlag…

Was bedeutet «schenken» eigentlich hier in der Schweiz – hat sich dies die letzten Jahrzehnte verändert?

Corine: Was wir für diese Zielgruppe herausgefunden haben, überrascht nicht in unserer Wohlstandsgesellschaft: Die Babyboomer wollen Sinn statt Materiellem, ihre Familien und Freunde suchen nach individuellen, nachhaltigen Geschenken. Verpönt sind Staubfänger.

Schenken ist tief in unserer Kultur verankert, und um es mit den Worten von Wilhelm Schmid (Buchtitel: Vom Schenken und Beschenktwerden) zu sagen: Es geht um ideelle Geschenke der Liebe, Freundschaft und der Gastfreundschaft. Der Höhepunkt des Schenkens ist erreicht, wenn sich der Schenkende auch selbst über seine Gabe freut und sich der Beschenkte mit dem Geschenk gemeint fühlt. Viele unserer Geschenke haben mit gemeinsamen Erlebnissen zu tun, mit Zeit schenken.

Habt ihr Geschenk im Kopf über das ihr euch persönlich mal so richtig arg gefreut habt und was sind eher so Gähn-Geschenke gewesen?

Pia: Also mein Highlight aus der letzten Zeit ist ein privates Hang-Konzert. Ich liebe dieses Musik-Instrument und die Freude war gross, weil es so überraschend war. Weniger lustig war als Kind das jährliche Geschenk meiner Gotte aus dem Tessin zu Ostern: eine sogenannte Colomba mit Orangeat und Rosinen. Beides mag’ ich überhaupt nicht.

Ihr seid ja erst super kurz online, habt ihr dennoch schon erste Erkenntnisse?

Corine: Als Social-Start-up mit wenig Marketingbudget ist es eine Herausforderung, unseren «Purpose» auf der Plattform sofort sichtbar zu vermitteln – wir stehen ja in Konkurrenz mit anderen sehr potenten Online Geschenk-Anbietern. Wie machen wir schlau auf uns aufmerksam?

Wichtig sind unsere Partner wie «Changemaker» und «Züriwerk», welche die Geschenke einpacken und losschicken. Und natürlich unsere Angebotspartner, die mit ihren besonderen Dienstleistungen und Produkten Schenkzeit ausmachen.

Was sind die nächsten Schritte?

Regula: Wir versprechen, den «Best Agers» Inspiration zu bieten. Dieses Versprechen gilt es 2019 einzulösen. Das wollen wir zum Beispiel mit spannenden Stories zu den erwähnten Themen. Oder wir möchten mit unseren Partnern enger zusammenarbeiten und Veranstaltungen organisieren, die für Babyboomer einen echten Mehrwert darstellen. Da freuen wir uns auch schon auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit Neustarter.

Zudem werden wir unser Geschenk-Portfolio überprüfen und erneuern. Geplant sind exklusive Geschenke, die wir mit Partnern entwickeln, und die es ausschliesslich bei uns gibt.

Und in 4 Jahren, habt ihr ein langfristiges Ziel?

Regula: Es wäre super, könnten wir in vier Jahren sagen, unsere Geschenke erzielen tatsächlich (gesellschaftliche) Wirkung. Das würden wir gerne erheben. Ebenso beabsichtigen wir, das Projekt in die französische und italienische Schweiz auszubreiten.

Welches ist euer ultimativer Weihnachts-Geschenk-Tipp?

Corine: Meine Eltern finden in ihrem Weihnachtspäckli das Reisemagazin «Transhelvetica», weil sie aktiv und viel im In- und Ausland unterwegs sind. Geheimtipps aus der Schweiz kommen da gerade recht. Ausserdem den Ausflug ins Creaviva Atelier im Zentrum Paul Klee – mit allen sieben Enkelkindern natürlich.

Regula: Ich schenke meinen Eltern ein Nachbarschafts-Glücksbrot, damit sie ihre tollen Nachbarn beglücken können. Dazu eine Spende für das Schweizer Zeitvorsorgeprojekt inkl. Bildband «Zeit macht reich».

Pia: Entspannt Weihnachten ziehen lassen und im Januar meine Freundin mit einem Winterausflug in der Surselva mit Outdoor-Fondue überraschen. Ich schenke gerne ausserhalb der klassischen Schenkanlässe.