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«sichtbar» – für neue Wege im Beruf

«sichtbar» – für neue Wege im Beruf

Andrea Grossholz hat die «sichtbar» in Zürich ins Leben gerufen: Ein Ort für Begegnung, Austausch, neue Ideen, CV-Check und, und, und. Wir haben mit Andrea über die «sichtbar» gesprochen.

Liebe Andrea, du hast das Format «sichtbar» in Zürich ins Leben gerufen. Was können sich unsere Leserinnen und Leser darunter vorstellen?

Die «sichtbar» ist Beratungsbüro, Ideenschmiede, Bewerbungsatelier, Netzwerkort und Bar. Letzteres vor allem an den «sichtbar»-Events. Hier verbindet sich konkretes, zielgerichtetes Arbeiten mit positiver Energie, Tatkraft, Schaffenslust und viel Know-how. Die Kombination bei Neue Wege im Beruf – ein Abend für Ideen, nächste Schritte, Fachinputs und einen CV-Check vor Ort, dazu ein Drink – ist neu und einzigartig. Darauf bin ich freudig stolz.

Wie kamst du auf die Idee?

In unzähligen Gruppencoachings für Stellensuchende hat sich immer wieder gezeigt, wie wertvoll und inspirierend der Erfahrungsaustausch und die gegenseitige Unterstützung in diesem Prozess sind. Zum Beispiel mit persönlichen Netzwerken, neuen Ideen oder klärenden Fragen. In der Kombination mit Fachinputs und Begleitung durch die Expertin ergibt das ein richtiges Power-Erfolgsteam (das auch hält, was es sagt…und dran bleibt).

Mit dem Start am neuen Bürostandort an der Weststrasse (Zürich-Wiedikon) im April 2020 und mit dem grosszügigen Raum (ein ehemaliges Ladenlokal) entstand die Idee zu den Themenabenden und Workshops für Kleingruppen: professionelles, konkretes in Bewegung kommen und bleiben, in einem inspirierenden und «leichtfüssigen» Rahmen. Im Fokus dabei auch, sich, sein Potenzial oder einen Traum/Wunsch sichtbar zu machen – und schon war die Idee auch Name und Projekt. Gestartet sind wir mit Neue Wege im Beruf, weitere Themen, auch Kooperationen sind geplant und werden folgen. So ist die «sichtbar» ganz mein Ding: mit Menschen, Möglichkeiten zur Weiterentwicklung, kreativ und geschmeidig unterwegs.

Andrea Grossholz
Andrea Grossholz, Laufbahncoach und Beraterin

Als selbstständige Coach richtest du dein Angebot an Menschen mit dem Wunsch nach Veränderung. Wie können Standortbestimmungen und Coachings insbesondere Personen nach langen Berufsjahren unterstützen?

Wenn jemand noch keine Idee hat, wie es weitergehen könnte, aber weiss, es ist Zeit für einen Wechsel (BoreOut, BurnOut, Team passt nicht mehr, Werte passen nicht mehr, zu wenig Sinnhaftigkeit, Lust auf etwas Eigenes, etc.) hilft das Coaching, Klarheit zu schaffen und Job- bzw. Projektideen zu definieren. Persönlichkeits-, Neigungs-, Motivations-, aber auch arbeitsmarktliche Abklärungen gehören dazu.

Neuorientierungsprozesse brauchen Zeit und vor allem auch Struktur sowie einen Zeitplan. Hier ist es, und ich spreche auch aus eigener Erfahrung, kraftvoll und hilfreich, einen engagierten Coach als Sparring- und Netzwerkpartner*in an der Seite zu haben, für das Umsetzen konkreter Schritte, für das laufende Prüfen, Anpassen oder Verfeinern.

Zudem brauchen Neuorientierer und Neuorientiererinnen, aus meiner Erfahrung, viel Verständnis für Ängste, Widerstände und Unsicherheiten, die mit Veränderungen einhergehen. Oft ist eine solche Veränderung auch gleichbedeutend mit «für sich und seine Wünsche einstehen», diese erkennen, vielleicht sogar zum ersten Mal. Auch hier kann ich als Beraterin und Begleiterin meine Klienten und Klientinnen wirksam und zieldienlich unterstützen.

Hast du den Eindruck, dass die Corona-Krise auch dazu führt, dass Menschen vermehrt innehalten und sich Zeit nehmen, um über ihre nächsten Schritte zu reflektieren?

Ja, da bin ich mir sicher. Nur schon allein dadurch, dass wir mehr Zeit zur Verfügung haben (Kurzarbeit, bei Schliessung von Läden/Lokalen etc. fällt die «mit Arbeit gefüllte Zeit» phasenweise ganz weg, gewisse Branchen sind fast ganz eingebrochen), um Nachzudenken, über uns, über die Zukunft (unserer Arbeit), etc. Es gab ja im 2020 erwiesenermassen auch mehr Firmen-Neugründungen. Mehr Menschen, die vielleicht schon länger die Idee der Selbständigkeit mit sich herumgetragen hatten, haben ihre Vision realisiert und den Schritt gewagt. Zudem sehen wir, dass wir auch mit weniger können – reisen, ausgehen, shoppen – d.h. der eine oder andere Arbeitnehmende hat sich vielleicht Gedanken darüber gemacht, weniger zu arbeiten, weil wir weniger Geld ausgeben in dieser Krise «testen» können. Und – wichtig – ich sage hier nicht, dass das für alle ein wünschenswertes Experiment ist. (Kulturschaffende, Soloselbständige, Angestellte in Gastronomie, Hotellerie, Tourismus, Einzelhandel etc.)

Achtsamkeit – oder Mindfulness – ist ja momentan in aller Munde, doch als Qigong-Lehrerin arbeitest du schon lange mit diesem Ansatz. Was verstehst du darunter?

Ich verstehe darunter das Fokussiert- und Verankertsein im gegenwärtigen Moment. Wachheit, Bewusstheit und Präsenz zu haben, in dem was ich tue. Achtsamkeit bedeutet für mich aber auch ein fürsorglicher, wohlwollender und wertschätzender Umgang mit sich selbst und mit anderen. Es heisst eigene Grenzen zu kennen und einen Ausgleich zu schaffen zwischen Yin und Yang, zwischen Ruhe und Dynamik. Ich achte darauf, mit wem ich mich umgebe, wer mir guttut und mich in meinen Vorhaben unterstützt und wer nicht. Ich bin mir bewusst, was mir Energie gibt und was mir welche raubt und probiere danach zu handeln. Ich achte (auf) meine Innenwelt, nehme aber auch das Aussen und meinen Körper, Qigong ist ja nicht nur eine Geistes- sondern vor allem eine Körperarbeit, ganz bewusst wahr.

Wie kann Achtsamkeit dabei helfen, sich über die eigene Situation und Wünsche für die Zukunft bewusst zu werden?

Indem wir aufmerksamer, ausgerichtet und empfänglicher sind für Impulse, die in die eine oder andere Richtung weisen. Das Gesetz der Resonanz. Sie kennen es selbst, es tauchen dann die passenden Bücher oder Artikel auf, oder die als nächstes zu besuchende Info-Veranstaltung, oder aber wir begegnen zum richtigen Zeitpunkt genau der Person, die uns einen Schritt auf unserem Weg weiterbringt. Sei es mit ihrem Know-how, einem Kontakt, mit ihrem Feedback oder einer Idee. Und wenn ich Achtsamkeit so verstehe, als dass ich mir für meine Zukunftswünsche Zeit nehme, ihnen Raum gebe und sie ernst nehme, dann ist das ebenfalls ein ganz wesentlicher Aspekt.

Wir bei Neustarter lieben ja bekanntermassen Neustarts. Hast du Lust, nochmal etwas ganz Neues auszuprobieren?

Ich bin ja eigentlich ständig dabei, Neues auszuprobieren. Wie zum Beispiel die sichtbar. Aber ich könnte mir auch noch so einiges ganz anderes vorstellen: Pächterin auf einem lauschigen Campingplatz, auch als Gastgeberin mit eigenem Bed & Breakfast sehe ich mich, oder auf einer weiteren Reise mit meinem 88er-VW-Bus. Hauptsache viel Selbstbestimmung, Kreativität, mit inspirierenden Menschen und genügend Gestaltungsspielraum…😊

Wenn du unseren Neustarterinnen und Neustartern zum Abschluss deine Top 5 Tipps nennen müsstest, wenn es um Neuanfänge geht, was würdest du ihnen mit auf den Weg geben?

  • Wann immer möglich, Experimentieren/Ausprobieren von neuen Ideen (im Sinne von Life Design) / sich ausreichend Zeit für Reflektion und Planung nehmen
  • Mit Menschen sprechen, die etwas ähnliches, machen, was dir als Neustarter*in vorschwebt, oder denen ein Neustart gelungen ist (Erfahrungen, Tipps, Best Practice, No Gos etc.)
  • Sich ein Erfolgsteam zusammenstellen für das gute Gelingen und für Power/Energie bei der Umsetzung, auch bei Zweifeln, Hindernissen oder ‘scheinbaren’ Rückschlägen
  • Sich für die kleinen Erfolge/Zwischenschritte und für den Mut, etwas Neues zu wagen und in Bewegung zu sein, anerkennen. In der Wachstumshaltung bleiben (Was lerne ich aus dieser Situation?)
  • Nicht alles alleine machen! Sich von einer Fachperson/Coach unterstützen lassen.

Ich glaub das sind jetzt gefühlte 10 Tipps……aber alles wertvolle……😊

Vielen Dank, liebe Andrea!