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(Regen)Bogenkarriere – ein Modell für die Zukunft?

(Regen)Bogenkarriere – ein Modell für die Zukunft?

Nadja Fischer hat sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit intensiv mit dem Modell der Bogenkarriere beschäftigt. Im Interview mit Neustarter erzählt Nadja, was sie bei ihren Recherchen und Interviews Erstaunliches zutage gebracht hat und ob die Bogenkarriere ein Modell für die Zukunft sein könnte.

Nadja, wie bist du in jungen Jahren darauf gekommen, dich in deiner Bachelorarbeit mit einem Modell für das letzte Drittel der beruflichen Laufbahn, der Bogenkarriere, zu befassen?

Ich hatte mich schon während meines Studiums immer wieder mit Diversity-Themen beschäftigt und in diesem Bereich Kurse belegt. Da in diesen Kursen vor allem die Themen Gender und Cultural Diversity stark behandelt wurden, wollte ich in meiner Bachelorarbeit noch ein anderes Themenfeld bearbeiten. Durch Gespräche mit meinen Eltern bin ich dann auf Age Diversity gekommen. Eine Freundin meiner Mutter befindet sich aktuell gerade in der Situation, dass sie für viele Stellen, die sie interessieren würden, überqualifiziert ist. Da kam natürlich die Frage auf, wieso ein Zurücktreten auf eigenen Wunsch noch immer nicht überall möglich ist und wie man dies lösen könnte.

Was war deine These, bevor du die Interviews mit Mitarbeitenden einer Grossbank zu dem Thema geführt hast?

Durch die Medien bekommt man halt ein sehr schlechtes Bild darüber vermittelt, wie Grossbanken mit ihren älteren Arbeitnehmenden umgehen. Ich denke, fast jeder kennt solche Schlagzeilen. Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass das Thema Bogenkarriere wahrscheinlich bei den meisten Banken noch keinen hohen Stellenwert geniesst.

Und gab es dann Punkte in den Gesprächen, die dich total überrascht haben?

Ich fand es doch sehr überraschend, dass alle interviewten Banken dies aktiv unterstützen und auch gerne fördern möchten. Generell schienen all meine InterviewpartnerInnen sehr interessiert an dem Thema. In den Medien hört man leider noch immer eher das Gegenteil. Natürlich hat mich dies aber sehr gefreut. Es schien generell bei allen so, als sei das Thema sehr aktuell und präsent. Mehr als ich erwartet habe.

Würdest du nun nach Abschluss deiner Arbeit sagen, dass die Bogenkarriere ein Modell der Zukunft ist und wenn ja, wie müsste sie gestaltet sein und in Organisationen platziert werden?

Ja, definitiv. Gerade in Hinblick auf die demographischen Veränderungen scheint mir das Modell eine grosse Hilfestellung zu bieten. Beim Angebot einer Bogenkarriere ist die Kommunikation sicherlich der zentrale Faktor. Dieser Punkt ist mir in den Interviews sehr stark aufgefallen. Zwar unterstützten alle Banken eine solche Entscheidung, jedoch wird die Möglichkeit einer Bogenkarriere viel zu wenig kommuniziert. Ich glaube, viele Mitarbeitende würden sich dafür interessieren, wissen aber nicht, dass es das gibt. Oder aber sie trauen sich nicht, diesen Wunsch zu äussern, da sie davon ausgehen, dass ein Zurücktreten nicht akzeptiert wird. In meiner Bachelorarbeit habe ich ein Modell entwickelt, um eben genau diesem Problem entgegenzuwirken. Hierbei habe ich Programme, welche die Banken bereits anbieten, in einem einheitliches Modell zusammengefasst. Damit kann das Angebot sowohl im jeweiligen Intranet als auch bei spezifischen Veranstaltungen kompakter vorgestellt werden. Hierbei ist natürlich ganz wichtig, dass Mitarbeitende, die bald das 50. Lebensjahr erreichen, aktiv über diese Möglichkeit informiert werden. Dies muss aber unbedingt als reine Information übermittelt werden, damit es nicht falsch verstanden wird. Zudem bin ich der Meinung, dass Rollenmodelle, welche bereits eine Bogenkarriere verfolgt haben, vermehrt über ihre Erfahrungen berichten sollten und wertvolle Ansprechpartner für interessierte Personen sein können.

Gibt es typische Stolperfallen oder Gründe, warum das Modell in manchen Fällen nicht funktioniert?

Ja, wenn es zum Beispiel nicht genügend in der Unternehmenskultur etabliert ist. Nur wenn Führungskräfte auf allen Ebenen die Akzeptanz einer Bogenkarriere klar betonen und auch klarstellen, dass dies nicht mit einer geringeren Leistungsfähigkeit assoziiert wird, kann die Bogenkarriere erfolgreich sein. Durch einen offenen Umgang mit dem Thema kann Ängsten und Hemmschwellen entgegengewirkt und die Bogenkarriere zur Normalität werden.

Was hältst du von der Kritik am Begriff «Bogenkarriere», dieser suggeriere «ab da geht’s nur noch bergab»?

Ich verstehe die Kritik. Der Begriff ist vielleicht etwas unglücklich gewählt. Ich glaube, es ist nicht nur der Begriff an sich, sondern die Diskurse der letzten Jahre, weshalb das Wort negativ behaftet ist. Es klingt leider zu oft so, als sei dies das Ende. Die Freiwilligkeit und Motivation der Person, welche diesen Schritt wagt, geraten dabei komplett in den Hintergrund.

Und hast du einen anderen Vorschlag, wie man das ganze nennen könnte?

In meiner Arbeit habe ich den Begriff Regenbogenkarriere verwendet. Dies klingt meiner Ansicht nach schöner und nicht nach Absturz. Zudem hat der Begriff etwas mit meinem entwickelten Konzept zu tun. Dort habe ich die Programmthemen in einzelne Streifen aufgeteilt und damit die möglichen Entscheidungswege dargestellt. So gibt es die Streifen «Abgabe Führungsverantwortung», «Reduktion Führungsverantwortung» und «Flexible Arbeitszeitmodelle». Wichtig zu erwähnen ist hierbei vielleicht noch, dass ich mich in meinem Konzept auf Mitarbeitende mit Führungsverantwortung fokussiert habe.

Noch eine neugierige Frage zum Schluss: Was ist dir als junge Frau wichtig bei deinem Einstieg ins Berufsleben? Welche Erwartungen hast du an «Arbeit»?

Dass ich Spass an dem habe, was ich mache. Ganz wichtig dabei ist sicherlich das Team und die Unternehmenskultur. Ich möchte gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten und keinen internen Konkurrenzkampf austragen. Ich finde, wenn man sich gegenseitig unterstützt und hilft, bringt dies die besten Ergebnisse. Wichtig ist mir auch, dass ich als Teil des Teams wahrgenommen werde und nicht als die Junge, die noch nichts kann. Denn ich glaube, alle können voneinander profitieren und auch lernen.

Und was ist dir wichtig in der Zusammenarbeit mit älteren oder viel älteren KollegInnen?

Dass meine Fähigkeiten und Kompetenzen wahrgenommen werden und ich umgekehrt von ihren Erfahrungen profitieren kann. Auch hier ist mir, wie eigentlich generell bei allen ArbeitskollegInnen, das respektvolle Miteinander sehr wichtig. Mir ist wichtig, dass man sich auf Augenhöhe begegnet und die Stärken und Schwächen des anderen anerkennt, diese aber nicht als negativ ansieht. Nicht jeder kann alles gleich gut, aber nur so kann man voneinander profitieren. Schlussendlich ist mir das Alter meiner ArbeitskollegInnen nicht besonders wichtig, solange die Zusammenarbeit gut funktioniert und Spass macht.