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Radikale Kollaboration statt Wettbewerb – ein Interview mit Impact Hub

Radikale Kollaboration statt Wettbewerb – ein Interview mit Impact Hub

Der Impact Hub Zürich versteht sich als unternehmerische Community aus über 850 Innovatoren, Startups, Kreativen, Techies und Grossfirmen, die eine kooperative Zukunft über Sektorgrenzen hinweg gestalten. In seinem Leitbild, dem «Co-Manifesto», orientiert sich der Impact Hub Zürich an den Nachhaltigkeitszielen der UNO. Neustarter war vor Ort und hat Simone Bächler von Impact Hub interviewt.

«Wir sind der Überzeugung, dass die Herausforderungen unserer Zeit nur durch radikale Kollaboration gemeistert werden, nicht allein durch Wettbewerb.» Simone Bächler, Impact Hub Zürich

Aktuell betreibt der Impact Hub Zürich drei Coworking-Spaces in der Zürcher Innenstadt. Im Spätsommer eröffnet er mit dem «Kraftwerk» einen weiteren Space für Innovation und Kollaboration in Partnerschaft mit ewz, digitalswitzerland und Engagement Migros. Der Impact Hub Zürich ist Teil einer weltweiten Impact-Hub-Community mit rund 15`000 Mitgliedern an über 90 Standorten, davon drei in der Schweiz.

Frau Bächler, haben Sie sich selbst schon mal überlegt, ein Startup zu gründen?

Immer mal wieder. Nie so richtig. Jetzt vielleicht.

In welchem Bereich?

Es gab sie immer wieder. Jene zündenden Ideen, die Projekte, die man «jetzt sofort und unbedingt und ganz sicher mit durchschlagendem Erfolg» würde umsetzen müssen. Mal war es die DIY-Holzofen-Pizzeria im Pfadi-Stil, mal die eigene Kommunikationsagentur. Jede dieser Ideen löste sich irgendwann in Luft auf – meistens, weil Zeit und Lust und Wille doch fehlten, um sich der Sache überhaupt anzunehmen. Und wohl auch, weil keine der Ideen der Erwartung eben jenes «durchschlagenden Erfolgs» hätte gerecht werden können.

Ob mein neustes Projekt dieses Potenzial haben könnte, muss sich noch zeigen. Aber immerhin ist hier die Phase des reinen Ideen-Spinnens schon überwunden: Wir studieren bereits an der Rechtsform für unser kleines «Unternehmen» herum.

Was ist das Beste am Impact Hub Zürich?

Ich habe selten an einem derart lebendigen und pulsierenden Ort gearbeitet. Im Impact Hub Zürich kommen Menschen jeden Alters mit allen möglichen Projekten und Zielen und mit unterschiedlichstem Background zusammen. Startups aus dem Tech-Bereich arbeiten hier neben Selbständigen, Kreativen, Karriere-Umsteigern, Intrapreneuren und Jungunternehmern im sozialen Sektor. Der Austausch zwischen diesen Menschen wird im Impact Hub Zürich durch verschiedene Events, Workshops oder auch gemeinsame Mittagspausen aktiv gefördert, was im (Arbeits-)Alltag gut spürbar ist.

Hinzu kommen die eigentlichen Räumlichkeiten, die in meinen Augen sehr anregend und kreativitätsfördernd wirken. In unseren Spaces gibt es Räume für alle möglichen Nutzungsarten: Die Terrasse, die Coworking-Räume auf den verschiedenen Stockwerken, die Meetingräume, das öffentliche Café, die Sofa-Ecken – es gibt diverse Orte mit eigenem Charakter, was Orts- und damit Perspektivenwechsel ermöglicht und so kreative Prozesse antreibt.

Welche konkrete Unterstützung erhalte ich als Gründerin oder Gründer bei Ihnen?

Gründerinnen und Gründer erhalten im Impact Hub Zürich ganz verschiedene Arten von Unterstützung, je nach Bedarf. Zuallererst stehen ihnen die Arbeitsplätze in unseren Coworking-Spaces zur Verfügung. Die Startups können sich hier vernetzen, an Community-Anlässen teilnehmen, Feedback für ihre Ideen erhalten und potentielle Partner finden. Einzelne Startups haben hier sogar ihre Geschäftsadresse und operieren vollständig vom Impact Hub aus.

Zudem gibt es ein breites Angebot an Workshops und Events, wo Wissen geteilt und Fähigkeiten vermittelt werden. Für konkrete Fragen gibt es die Business Help Desks, an welchen Experten zu Themen wie rechtlichen Unklarheiten, Business Modell, Finanzierung oder Kundenbedürfnissen weiterhelfen. Auch HR-Trainings und Unterstützung bei der Mitarbeiterrekrutierung werden vom Impact Hub angeboten.

Ausserdem führt der Impact Hub Zürich konkrete Programme durch – etwa die Summerpreneurship, wo Studenten für einen Sommer in Startups untergebracht werden, oder auch den Kickstart Accelerator, ein 11-wöchiges Förderprogramm für internationale Startups.

Haben Sie eine Erklärung, warum es über die letzten Jahre fast schon normal geworden ist, ein Startup zu gründen?

Die Zahl der Startup-Gründungen in der Schweiz steigt tatsächlich von Jahr zu Jahr. Angetrieben wird das Gründungsfieber sicherlich von Vorbildern wie Facebook oder Twitter, die sich vom Startup zum Internet-Giganten entwickelt haben. Zudem wird es in der Schweiz immer einfacher, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Es braucht auch nicht mehr so viel Kapital wie früher.

Immer mehr Menschen in der Schweiz wollen deshalb den Schritt, ihre eigene Idee in die Tat umzusetzen, wagen. Und viele gehen dabei nach dem Prinzip «trial and error» vor. Die Gründung eines eigenen Unternehmens ist oft keine Entscheidung für die Ewigkeit: Man versucht es – und wenn man scheitert, gibt man das eigene Unternehmen wieder auf. Dass Startups scheitern, ist – gerade in der Schweiz – leider keine Seltenheit. So einfach die Gründung des Unternehmens, desto schwieriger ist es oft, sich am Markt zu etablieren und zu wachsen. Langfristig und international erfolgreiche Startups aus der Schweiz sind nach wie vor eher die Ausnahme.

Gibt es ein Angebot ausserhalb des Impact Hub, das Sie angehenden Gründern empfehlen würden z.B. eine informative Website, Plattformen zum Austausch oder Seminare?

Die Webseite DESIGN A BETTER BUSINESS stellt eine ganze Toolbox an wichtigen Utensilien, Tipps, Anleitungen und Vorlagen für Startup-Gründer zur Verfügung. Auch der Startup-Campus leistet wichtige Unterstützung. Das Konsortium ist ein Zusammenschluss von allen Universitäten, Hochschulen und Technoparks in der Region Zürich/Ostschweiz und bietet Startup-Trainings in Zürich, Winterthur und St. Gallen an.

Was war bisher die verrückteste Businessidee im Impact Hub?

Die spannende Frage lautet wohl: Was heisst schon verrückt? Viele unserer Mitglieder verfolgen Business-Ideen, die vielleicht anfangs verrückt anmuten können – seien es Bienenhäuschen für den Balkon, Komposttoiletten oder aus gebrauchten BHs produzierte Handtaschen. Viele Ideen haben sich letztlich aber als gar nicht so verrückt herausgestellt. Etwa die Idee zweier junger Unternehmer aus dem Umfeld des Impact Hub, die vor ein paar Jahren die Mission hatten, die Landwirtschaft mitten in die Stadt zu bringen. Forellen zu züchten auf dem Dach, zum Beispiel. Anfangs als illusorisch abgetan, hat sich die Idee von Urban Farmers inzwischen zu einem international erfolgreichen Modell entwickelt.

Gab es etwas, wo Sie sicher waren, das klappt nicht, was aber später ein Erfolg wurde?

Ein konkretes Beispiel kann ich nicht nennen. Die Angst vor dem Scheitern ist aber eigentlich bei jedem Projekt mit dabei. Oft ist im Vornherein schwierig abzuschätzen, ob eine Sache so gelingt, wie man sich das vorgestellt hat. Im Impact Hub Zürich versuchen wir aber, den Hürden «Angst» und Unsicherheit» ein wenig die Höhe zu nehmen, indem wir uns an das Prinzip «Failing Forward» halten. Auch wenn es weh tun kann – wir fallen lieber mal mit einer ausgefallenen Idee auf die Nase, als es gar nicht erst versucht zu haben.

Gibt es eine Geschäftsidee für Zürich, wo Sie sagen: Das fehlt, das gibts noch nicht, warum macht das niemand?

.. wenn ich sie hätte, diese fabelhafte Idee, dann würde ich sie wohl nicht verraten :-)

Ausserdem müsste man diese Frage wohl an die Startups in unserer Community weitergeben. Diese arbeiten tagtäglich daran, genau solche Ideen zu finden, zu entwickeln und umzusetzen. Auf diesem Gebiet sind sie die Experten.