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Plötzlich arbeitslos

Plötzlich arbeitslos

Als Mia L. den Bescheid erhielt, dass sie gehen müsse, brach für sie eine Welt zusammen. Seit bald zehn Jahren arbeitete sie nun in diesem Grossbetrieb. Die Gerüchte, dass Stellen abgebaut würden, hatte sie nicht auf sich bezogen. Schliesslich verfügte sie über eine solide Ausbildung und war auf einem guten Wissensstand – sie hatte regelmässig Weiterbildungskurse besucht. Ein kleiner Ausflug in die Geschichte von Mia L.

Verletzt und wie gelähmt

Zutiefst verletzt in ihrem Selbstwertgefühl zog sich die 49-Jährige zurück. Sie schämte sich, in ihrem Freundeskreis von der Kündigung zu sprechen. Als Versagerin fühlte sie sich, sass wie gelähmt zuhause und fand keine Energie, sich um eine neue Stelle zu bemühen.

Ähnlich wie Mia L. reagieren viele Menschen auf eine Kündigung. In einer Gesellschaft, in der Beruf und Karriere einen so hohen Stellenwert einnehmen, empfinden sie Arbeitslosigkeit als persönliches Versagen und fühlen sich nicht mehr als vollwertige Mitglieder dieser Leistungsgesellschaft. Ohne Berufs- oder Erwerbsarbeit sehen sie oft keinen Sinn mehr in ihrem Leben.

Sich von Vergangenem lösen

Wie Mia L. trauern erwerbslose Menschen oft ihrer Stelle nach, ohne genau zu wissen warum. In ihrer Verletztheit vergessen sie, dass sie vielleicht selbst schon mit dem Gedanken gespielt hatten, «irgend etwas anderes zu machen». Vergessen ist auch die Eintönigkeit, die sich vielleicht nach Jahren im gleichen Betrieb in den Arbeitsalltag eingeschlichen hatte. Oder möglicherweise haben sie von einem anderen Beruf geträumt, sich aber nicht getraut, aus dem Alltagstrott auszusteigen.

Natürlich gibt es Menschen, die ihren Traumjob verlieren. Aber mehrheitlich ist es einfach nur ein Arbeitsplatz, der verloren gegangen ist – zu dieser Einstellung zu gelangen kostet vielfach Überwindung, aber es lohnt sich, denn damit ist der Weg offen für Neues.

Die Fähigkeiten sind noch vorhanden!

Nicht verloren gegangen sind nämlich die Fähigkeiten, die Kompetenzen, die zum Beispiel Mia L. dazu befähigten, ihre Arbeitsstelle beinahe zehn Jahre zu behalten. Darauf lässt sich aufbauen. Auf der soliden Ausbildung, dem Wissen, welches sich im Laufe der Jahre angesammelt hat – und auch auf dem Wissen aus anderen Bereichen: aus Freizeittätigkeiten, aus Freiwilligenarbeit oder politischem Engagement.

Offen werden für Neues

Nachdem Mia L. sich darüber klar geworden war, dass sie nicht mehr unbedingt in ihren angestammten Beruf zurückwollte, begann sie, sich neu zu orientieren: Sie entschloss sich zu einer neuen Ausbildung und ist nun mit neuem Elan dabei, sich auf eine spannende Zukunft vorzubereiten.

Wie im Fall von Mia L. kann Arbeitslosigkeit die Gelegenheit sein, nochmals über die Bücher zu gehen, sich zu fragen, was man eigentlich möchte. Vielleicht ist ja ein Neustart genau das Richtige? Dabei kann sich ebenso gut herausstellen, dass die ursprünglich gewählte Berufsrichtung stimmt, mit einer kleinen Kurskorrektur die Chancen auf eine neue Stelle aber erheblich verbessert werden können.