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Neustarten ja klar, aber wie?

Neustarten ja klar, aber wie?

Eigentlich ist alles so wie immer. Man kann Sonntag auf Montag nur schlecht schlafen. Man geht morgens in die Arbeit oder seinen gewohnten Tätigkeiten nach, wenn man sich bereits in der nachberuflichen Phase befindet. Der Montag leitet eine weitere Woche ein. Man funktioniert. Und an manchen Tagen scheint die Sonne, an manchen nicht.

Und jetzt? Was ist, wenn man eigentlich Lust hat, nochmal etwas ganz anderes zu tun? Etwas, wovon man lange träumte? Etwas, mit dem vielleicht gar niemand rechnet? Wie soll man sich verändern und den ersten Schritt tun? Gerade im suggerierten Tenor, der besagt, dass es mit zunehmender Lebenszeit immer schwerer würde? Vor diesen Fragen stehen viele, dabei spielt das effektive Alter keine Rolle. Wie packt man es dann aber an? Und was will man eigentlich wirklich?

Jeder von uns hat doch diese Idee, diese Vorstellung: „Wenn ich könnte, würde ich dies tun oder das machen.“ oder „Darauf hätte ich mal Lust.“ Und natürlich wollen die meisten eine Weltreise unternehmen, aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, einen beruflichen Lebenstraum oder eine unternehmerische Idee zu verwirklichen. Sich weiterzuentwickeln und etwas zu schaffen, das einen wirklich erfüllt - trotz, oder auch gerade wegen der Hindernisse, die man dabei überwinden muss. Neustart. Restart. Startup. Diese Worte gehören dabei für viele zusammen, die etwas Neues beginnen wollen. Das schwerste jedoch ist, den Startknopf zu drücken. Wie beginne ich und wo fange ich an?

Meine Treiber für die Zukunft

Aus diesem Grund ist der Fokus wichtig. Gerade, wenn es mehrere Träume, Berufswünsche und Geschäftsideen sind, die einen antreiben. Die Antworten auf die Fragen „Was will ich?“ und „Was kann ich?“ sind die ersten Treiber, die man finden sollte. Eine Pro-Contra-Liste ist da meist ein gutes Tool. Die eigenen Antworten, Pro (das will ich/das kann ich) links notiert, Contra (das will ich nicht/das kann ich nicht) rechts daneben, kurz in Stichworte gefasst, geben rasch einen guten Überblick. Vor allem, wenn eine Seite dominiert.

„Kann ich mir denn überhaupt vorstellen, etwas anderes gut zu können?“ ist dann oft der Puffer, der die meisten nach dem Erstellen einer solchen Liste beschäftigt. War man lange in derselben Position bzw. im selben Wirtschaftszweig tätig, taucht diese Frage umso häufiger und intensiver auf. Der Mensch tut sich mit Veränderung nun mal schwer, manchmal noch mehr im Vorhinein als mittendrin.

Der erste Schritt

Das „Wie?“ des Neuanfangs stellt viele daher vor eine echte Herausforderung. So genau hat man das nie gelernt, nie gezeigt bekommen, ein Vorbild fällt einem auf Anhieb nicht ein. Doch in vielen der heutigen Industrien ist die Technik des Beginnens die eigentliche Krux und Kunst.

Ist die Idee wirklich gut? Ist es der richtige Zeitpunkt dafür? Braucht meine potenzielle Zielgruppe mein Angebot wirklich? Eine Annäherung gelingt selten im stillen Kämmerlein. Sogenannte Meetups oder Stammtische, bei denen sich Gleichgesinnte zu verschiedenen Themen in vielen Städten locker treffen, sind hier eine gute Anlaufstelle. Ab Oktober 2017 gibt es sogar eigens einen Neustarter Stammtisch in Zürich. Ebenso sind die Besuche von Epic-Fail-Nights oder FuckUp-Veranstaltungen empfehlenswert. Hier berichten die Teilnehmer von ihrem Scheitern in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Man stellt beruhigt fest, dass z.B. auch die coolen Millenials – offensichtlich – nicht alles können. Und warum nicht die abgestossenen Hörner von anderen für den eigenen Lernprozess nutzen?!

Beide Eventarten sind häufig auch Nährboden für Verbesserungen, sogenanntes „Pivoting“ (wörtlich „Schwenken“, beschreibt einen Richtungswechsel innerhalb einer Idee z.B. während der Umsetzung) oder zur realistischeren Einschätzung bei aktuellen eigenen Herausforderungen. Hier trifft man häufig auf Mentoren und Ratgeber, die Erfindern und Neustartern bei der Gründung mit ihren Skills und Erfahrungen zur Seite stehen. Denn auch sie treibt der alte Spruch an: Wer rastet, der rostet. Und Startup-People sind immer interessiert an neuen Ideen und Persönlichkeiten, die etwas bewegen wollen. Gerade, wenn die Person eine ganz andere Vorgeschichte hat und aus einer anderen Welt kommt.

Zur eigenen Ideenbewertung tragen zusätzlich Innovationstheorien und -methoden wie die Benjamin-Franklin-Liste, Rapid Prototyping oder Value Proposition Canvas bei.

Man muss jedoch unterscheiden: Will man eine neue Idee aus dem Nichts entwickeln oder ist die Idee zu einem validen Geschäftsmodell bereits skizziert/vorhanden und soll verbessert bzw. weiterentwickelt werden?

Die Idee aus dem Nichts

Es ist im ersten Schritt immer, hilfreich sich mit Vertrauten zusammenzusetzen und zu versuchen, die Idee möglichst präzise zu erklären. Man sollte dabei darauf hinweisen, dass noch nicht alle Punkte komplett durchdacht sind („work in progress“). Die Anmerkungen sowie in diesen Breitengraden häufig auch die negative Kritik und Einwände sollte man ernst nehmen und notieren. Wichtig dabei: man darf sich davon nicht grundsätzlich irritieren lassen! Häufig nimmt der ursprünglich so enthusiastische Gründer oder Neustarter kritische Einwände als Bestätigung, dass das Ganze doch keinen Sinn macht. Was natürlich noch gar nicht erwiesen ist. Zum einen ist das Konzept, wie eben erwähnt, einfach noch nicht komplettiert und zum anderen sollte man nicht vergessen: sicherlich fanden auch anfängliche Gesprächspartner der Gründer von Facebook, Kuka Roboter und Lindt Schokolade die Idee ganz oder teilweise überflüssig. Die Ergebnisse sind bekannt. Solch erfolgreiche Unternehmen sind jedoch nur Dank echter Überzeugung, einem gewissen Maß an Flexibilität, aber auch durch Dickköpfigkeit und Durchhaltefähigkeit entstanden.

Die Idee, die Vorhandenes verbessert

Soll über die Konkretisierung oder Verbesserung eines vorhandenen Konzepts ein Geschäft aufgebaut werden, sind oben erwähnte Methoden empfehlenswert: Rapid Prototyping und Value Proposition Canvas.

Bei der Fragestellung „Wie teste ich meine Idee, ein Produkt oder einen Service?“ ist der Weg über Iterationsschritte sinnvoll. Viele neigen dazu, ein Konzept mit dem Anspruch an eine eierlegende Wollmilchsau während eines langen, durchgehenden Prozesses zu entwickeln. Doch hier gilt der schöne Spruch aus der Startup-Welt: „Done is better than perfect.“ Kleine, einzelne Schritte halten den Fokus sauber. Somit sollte das erste Ziel eine möglichst rasche Umsetzung eines sogenannten „MVP“, Minimal Viable Product, gewählt werden. Es handelt sich hier um die erste brauchbare Version, in der die essentiellen Features und Nutzungsbausteine vorhanden sind = ein Produkt mit den minimalen Anforderungen und Eigenschaften.

Wenn es dann um die Vermarktung des Produkts oder der Dienstleitung geht, ist es wichtig, seine Zielgruppe/n genau zu kennen. Hierzu gehört selbstverständlich eine ausführliche Recherche zu Markt, Sprache, Einkommen, Affinität, Erreichbarkeit, etc. Die zielgruppenspezifische Ansprache ist dabei zusätzlich enorm wichtig. Das Wording und die Tonalität müssen auf den Punkt gebracht werden, um Verständnis und Zuwendung der Zielgruppe zu erreichen.

Menschen überzeugen Menschen

Zu dieser Ansprache gehört heutzutage der sogenannte „Pitch“. Er ist nichts anderes, als das Erklären des eigenen Vorhabens. Wichtig dabei ist es, in kurzen, verständlichen Punkten den Nutzen und die Einzigartigkeit deutlich darzustellen. Das ist eigentlich nicht schwierig, könnte man denken. Viele bringen „den Pitch“ jedoch ausschließlich mit dem Vorsprechen vor Investoren (die natürlich möglichst investieren sollen) in Verbindung, und machen es sich schwierig. Doch pitchen wir eigentlich nicht ständig? An vertraute Menschen, den Ehepartner, Kollegen, den Chef oder auch an den Banker, von dem wir gerne einen Kredit hätten. Vergegenwärtigen sollte man sich, dass man nicht nur seine Idee oder seinen Businessplan pitcht. Der Pitch-Empfänger nimmt schließlich auch den pitchenden Menschen wahr. Ergo pitcht man auch sich selbst. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich auf seine Stärken zu besinnen. Nur so kann man souverän wirken und überzeugen. Die hierzulande häufig irritierend positiv-enthusiastische Art der Amerikaner, die sich selbst sowie ihre Projekte wie den Sonnenuntergang in Key West präsentieren, sind eigentlich das perfekte Pitch-Vorbild. Wenn sie sich dabei noch auf das Wesentliche und die Kürze konzentrieren, ist dies das Nonplusultra.

3 Pitch Regeln

  • Erklären Sie mir, warum Ihr Unternehmen oder Sie mein Problem am besten lösen.
  • Erklären Sie mir, wie Ihr Unternehmen oder Sie etwas Einzigartiges tun, an dem ich sehr wahrscheinlich äußerst interessiert bin.
  • Erklären Sie mir all das in weniger als 30 Sekunden. Ohne Buzzwords. In klarer, leicht verständlicher Sprache.

Pitch Tipps vom Profi

  • Setze dich mit deinem Gesprächspartner vorher ausführlich auseinander und recherchiere seine Position, was er bisher gemacht hat und was er aktuell macht.
  • Für ein zufälliges Aufeinandertreffen mit interessanten Personen z.B. in einer Bar oder einem Aufzug (daher der Name „Elevator Pitch“) sollte man immer einen allgemeingültigen und sehr knackigen Pitch auswendig im Kopf haben. Wenn nötig oder zusätzlich auch in Form eines hochqualitativen Flyers in professioneller Qualität.
  • Was beim ersten Treffen niemanden interessiert: Der eigene Wohnort, wo man zur Schule gegangen ist, der mögliche Unternehmenssitz, wen man wo kennt, die mögliche Wachstumsrate, mögliche Kunden, mögliche Investoren.