Magazin

Neujahresvorsatz: mehr Humor!

Neujahresvorsatz: mehr Humor!

Mit Humor werden Krisen, Fehler und Missgeschicke nicht dramatisch erlebt, sondern als Chance, etwas Neues auszuprobieren. Udo Berenbrinker ist überzeugt: Humor ist erlernbar! Deshalb bringt er Menschen bei, mit mehr Humor durchs Leben zu gehen. An seinem Institut HumorKom in Konstanz werden sogar Humortrainer, Humorberater und Humorcoachs ausgebildet.

Herr Berenbrinker, Sie sind «Humortrainer». Klingt, als wären Sie den ganzen Tag gut drauf und würden Witze erzählen. Oder was tun Sie als Humortrainer genau?

Humor hat erstmals nicht vorab was mit Witze-erzählen zu tun. Es ist eine Form des Humors. Jeder Mensch hat einen anderen Humorstil: clownesken Humor, Heyoka- die Provokation, körperlicher Humor, emotionaler Humor und kognitiver Humor. Humor heisst nicht immer gut drauf sein, aber eine positive Einstellung zum Leben zu entwickeln. Krisen, Fehler und Missgeschicke werden nicht dramatisch erlebt, sondern als Chance, etwas Neues auszuprobieren. Humor hilft diese innere Distanz zum «Jammern» und «Klagen» zu entwickeln. Meine Aufgabe als Humortrainer ist es, Humor als Lebenseinstellung zu fördern und Teilnehmer, Firmen und Klientel Techniken an die Hand zu geben, humorvolle Lösungen zu entwickeln, denn Humor ist ein Lernsystem, das alle erlenen können.

Udo Berenbrinker Interview
Udo Berenbrinker, Humortrainer

Wird man mit Humor geboren oder kann man ihn erlernen?

Humor hat der Mensch erst ab dem 5. Lebensjahr, Lachen können wir als Menschen ab der 6. Woche nach der Geburt. Lachen hat grosse medizinische und emotionale Bedeutung für uns Menschen, um Freude zu erleben. Der Mensch lernt nur durch Freude. Daher meine klare Antwort: Humor ist ein Lernsystem wie Sprachen lernen und jeder Mensch kann Humor erlernen.

Ändert sich der Humor im Verlauf des Lebens?

Der Humor und unser Stil werden in der Familie vorgelebt und von uns in der Regel übernommen und dann verfeinert. Manchen wird der Humor ausgetrieben mit solchen Sätzen wie «Das tut man/frau doch nicht» und bei anderen entwickelt sich ein positiver Humorumgang, der im Laufe des Lebens verfeinert und ausgearbeitet wird.

Was meinen Sie: Braucht man Humor, um mit Freude und Zuversicht altern zu können?

Humor hilft enorm, positiv zu altern, weil der Blick nicht auf das Alter gelegt wird mit seinen kleinen Wehwehchen. Eine Grundhaltung von Humor ist: sich nicht zu ernst zu nehmen, zu lernen über sich selbst zu lachen. Desto mehr man lacht, scherzt und die Welt positiv betrachten kann, desto mehr geniesst man das Leben bis ins hohe Alter. Ich behaupte sogar: wir sollten mit Freude sterben.

Was zeigt Ihre Erfahrung: Hilft uns Humor, um Krisen – wie die aktuelle Corona-Pandemie – zu bewältigen?

Humor war schon immer zu allen Zeiten die Krisenbewältigungsstrategie Nummer 1 und das in allen Kulturen. Corona macht vielen Menschen Angst, wegen der Krankheit an sich und weil sich vielleicht vieles verändern muss. Veränderungen verstören die Menschen, vor allem in unserer westlichen Kultur – gerade als Deutsche sind wir keine Meister der Veränderung. Am liebsten soll alles so bleiben, wie es ist.

Dabei hilft Humor, sich nicht zu ernst zu nehmen, Distanz zu wahren und neue Perspektiven einzunehmen. Wenn ich Corona mit Humor und Lachen begegne, versinke ich nicht im Drama und suche nach positiven Lösungen. Bekanntlich bewirken ein 10-minütiges Lachen am Stück oder 200 Lacher am Tag eine Stärkung des Immunsystems (wissenschaftlich bewiesen!), damit man nicht in die energetische Falle von Leid, Depression und Verzweiflung rutscht, sondern neue Ideen und Perspektiven entwickeln kann.

Können Sie unseren Leserinnen und Lesern einen Tipp geben, wie man öfter und/oder herzhafter lachen kann? Das soll ja gut für die Gesundheit sein 😉

Zunächst beginnt es am Morgen: entdecken Sie in sich das innere Lächeln und schauen Sie in den Spiegel und lachen oder lächeln Sie sich an, anstatt über Ihr Aussehen oder den Tag zu jammern. Damit beginnt der Tag mit positiver Kraft. Das können Sie am Tag immer wieder wiederholen, wenn Arbeit oder Kinder zu stressig werden. Wenn es Ihnen gar nicht gelingt, dieses Lächeln zu erzeugen, nehmen Sie einen Stift zwischen die Zähne. Dies setzt die gleichen körperlichen Phänomene in Gang wie bei einem lauten Lachen.

Am Abend empfehle ich Ihnen, in der Familie oder mit Kollegen einen Lachkreis zu organisieren, und über das künstliche Lachen in ein natürliches Lachen überzugehen. Dies löst ein Gruppenlachen aus und steckt an. Einige Firmen und Institutionen organisieren dies inzwischen in der Mittagspause für Ihre Mitarbeiter (ZB Klinikum Konstanz) oder am Morgen zu Beginn der Arbeit (verschiedene DAX Konzerne).

An wen richtet sich das Angebot Ihres Humor-Trainingsinstituts HumorKom?

Unser Angebot richtet sich an Einzelpersonen, die ihre Kommunikation im privaten und beruflichen Leben mit Humor erweitern wollen. Im Coaching kommen auch zahlreiche Personen, die nach Wegen suchen, authentischer und positiver humorvoll zu agieren und ebenso Menschen, die aus der Schleife des negativen bis depressiven Verhaltens ausbrechen wollen. Dann zahlreiche Menschen, die Reden, Vorträge oder Präsentationen (live oder online) mit Humor und einer inneren Ausstrahlung gestalten wollen, damit die Inhalte besser verstanden werden.

Ebenso kommen Führungskräfte und ganze Teams zu uns an den Bodensee oder wir reisen mit unserem Team europaweit umher, um diese Softskill zu vermitteln. Wir organisierten vor Corona ganze Führungskräftecamps zum Thema: Humor contra Stress im Rahmen der Gesundheit Vorsorge, der Vorbeuge vor Burnout am Arbeitsplatz, Kommunikationstraining für Menschen die Kundenkontakte haben, Körpersprache und emotionaler Humor zur Stärkung der emotionalen Intelligenz. Unser Kundenkreis reicht von Kliniken über Krankenkassen bis hin zu grossen Dax-Konzernen der IT-Industrie. Last not least bieten wir alle zwei Jahre die Ausbildung zum Humortrainer und Berater/Coach an, da wir in Deutschland noch viel zu wenige Personen haben, die diese Trainings leiten können.

Wie wird man zum Humortrainer? Gibt es da eine offiziell anerkannte Ausbildung?

Inzwischen gibt es auch in Deutschland Ausbildungen mit den Abschlüssen Humortrainer, Humorberater und Humorcoach. Während es in anderen Ländern diese Ausbildungen offiziell anerkannt sind, fehlt dies in Deutschland noch. Deutschland hinkt dieser Entwicklung fast 20 -30 Jahre hinterher – was durch die Zeit des Faschismus begründet ist, wo alles Komische und Unkonventionelle verbannt worden ist. In anderen Ländern gibt es an den renommierten Hochschulen ganze Lehrstühle und Forschungseinrichtungen, die die Wirkung des Lachens und des Humors untersuchen. Im deutschsprachigen Raum gibt es nur an der ETH Zürich unter Prof. Dr. Ruch einen Lehrstuhl im Rahmen der Positiven Psychologie. In Deutschland/Österreich haben wir uns zu der Berufsvereinigung HumorCare Deutschland/Österreich e.v. zusammengeschlossen, um das Berufsbild weiterzuverbreiten.

Udo Berenbrinker Interview



Udo Berenbrinker und HumorKom im Web: