Magazin

Mit Working Out Loud zu neuen beruflichen Chancen

Mit Working Out Loud zu neuen beruflichen Chancen

Janine Kirchhof ist Personal- und Organisationsentwicklerin, Working Out Loud Mentorin und New Work Bloggerin. Im Rahmen unserer neuen Magazin-Serie «Karriere selbst gestalten» wollten wir mehr zu Working Out Loud wissen und wie «laut arbeiten» dabei helfen kann, die Karriere selbst in die Hand zu nehmen.

Liebe Frau Kirchhof, was hat Ihre Leidenschaft an Working Out Loud geweckt und was können wir uns unter dem Konzept vorstellen?

Meine Leidenschaft für Working Out Loud (WOL) wurde durch die Selbsterfahrung von mehreren Working Out Loud Circles geweckt. Dadurch lernte ich diese neue Weise zu arbeiten kennen und merkte schnell, dass sie sehr gut zu mir und meinen menschlichen Bedürfnissen im Kontext Arbeit passt. Working Out Loud ist ein modernes Verständnis von Zusammenarbeit, was ideal in die heutige Zeit passt, da es den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dieses Verständnis basiert auf fünf Prinzipien für Zusammenarbeit:

1. Relationships. Der wertvolle Umgang mit sich und den Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz ist essentiell bei Working Out Loud. Es geht darum, partnerschaftliche, vertrauensvolle und unabhängige Arbeitsbeziehungen auf Augenhöhe zu pflegen, die die gegenüberstehende Person als ganzen Menschen respektieren.

2. Visible Work. Arbeit auch mithilfe von sozialen Medien sichtbar und transparent machen, hilft sowohl dabei, Reichweite und Wirkung aufzubauen als auch hilfreiche Wertbeiträge für Andere zu schaffen. Es erleichtert, themengebunden in Kontakt und Austausch mit Gleichgesinnten zu treten und so mögliche Synergieeffekte zu schaffen.

3. Generosity. Wer gute Arbeitsbeziehungen pflegen möchte, ist grosszügig und teilt das eigene Wissen, liefert Arbeitshilfen für Andere, gibt Tipps und vernetzt Menschen. Dabei gilt das Selbstverständnis, dass fremde Arbeit nicht als eigene Arbeit ausgegeben wird, sondern der oder die Urheber*in immer gewürdigt wird.

4. Purposeful Discovery. Der Weg ist das Ziel, es gilt einen Schritt nach dem anderen zu machen. Einen detaillierten Masterplan gibt es nicht. Ausprobieren, spüren, entscheiden, handeln ist die Devise. Dabei wird beibehalten, was Sinn ergibt und sich gut anfühlt.

5. Growth Mindset. Eine offene und neugierige Einstellung und die Bereitschaft für lebenslanges Lernen sind die Basis für Working Out Loud.

Um diese fünf Prinzipien der Zusammenarbeit zu erlernen, hat der New Yorker Buchautor und wichtigster Wegbereiter von Working Out Loud - John Stepper - eine sogenannte Circlemethode entwickelt, um diese einfach zu erlernen. Somit ist Working Out Loud neben einem neuen Verständnis für Zusammenarbeit gleichzeitig eine Selbstlernmethode.

Und wie läuft ein WOL Circle typischerweise ab?

Zunächst sucht man sich vier Gleichgesinnte, denn einen Circle führt man üblicherweise zu fünft durch. Offenheit und Freiwilligkeit sind dabei wichtig. Am besten nutzt man hierzu den öffentlich zugänglichen Circle Finder im Internet. Ein Circle dauert insgesamt 12 Wochen, jeweils eine Stunde pro Woche. Man trifft sich entweder virtuell per Skype oder auch persönlich. Ideal ist es, wenn man gleich zu Beginn alle Termine festlegt und organisiert. Für die Durchführungen gibt es für jede Woche eine ganz detaillierte Anweisungsbeschreibung, die sogenannten Circle-Guides. Auch diese sind frei und öffentlich im Internet als PDF-Download verfügbar. Dann kann es losgehen und zusammen führt man die Instruktionen entlang der Circle-Guides aus. Die Dauer des Programms von 12 Wochen hilft, die fünf Working Out Loud Prinzipien zu verinnerlichen. So kann man diese dann auf die eigene Arbeitsweise übertragen.

Wir sprechen in unserer aktuellen Magazin-Serie darüber, wie man die eigene Karriere selbst gestalten kann. Wie kann WOL unsere Neustarter*innen dabei konkret unterstützen? Warum ist «laut arbeiten» wichtig?

Working Out Loud zielt darauf ab, dass man nachhaltig Experten-Netzwerke aufbaut und dadurch an Einfluss und Sichtbarkeit gewinnt. Das kann die eigene berufliche Reputation ungemein stärken und schafft Unabhängigkeit. Es können sich dadurch berufliche Chance ergeben, die man sich vorher nie hätte erträumen können. John Stepper beschreibt das so schön: «Das Schicksal kann nicht an deine Tür klopfen, wenn es nicht weiss, wo du wohnst.» Wer sein Ziel kennt, kann es mittels Working Out Loud gezielt vorantreiben. Das gilt natürlich auch für Karriereziele.

Die Personaler dieser Welt werden bei diesem Thema sicher hellhörig. Inwiefern wird WOL auch als Instrument in der Personalentwicklung eingesetzt?

Ich selbst setze Working Out Loud gezielt als Personalentwicklungsinstrument zum Beispiel bei der Einführung von neuen Mitarbeitenden oder im Rahmen von Ausbildungsprogrammen für Nachwuchszielgruppen ein. Dabei ging es mir um den Aufbau persönlicher Kompetenzen zur erfolgreichen Bewältigung der Arbeit in einer modernen Welt. Generell stärkt Working Out Loud vielfältige Kompetenzen und Fähigkeiten, die Mitarbeitende und Führungskräfte in der heutigen Arbeitswelt benötigen, um erfolgreich zu sein. So zum Beispiel Selbstmanagementkompetenz, Umgang mit sozialen Medien in beruflichen Kontexten, Eigenverantwortung und Experimentierfreudigkeit, um nur Einige zu nennen.

Wie setzen Sie eigentlich persönlich «laut arbeiten» um und welche Tipps können Sie uns mitgeben?

Wie man «laut arbeitet», muss jeder für sich selbst herausfinden. Das hängt ein bisschen davon ab, was einem liegt und was nicht. Man findet das am besten über Ausprobieren heraus. Laut heisst, im Fall von Working Out Loud, vor allem sichtbar und mit einem hohen Wirkungsgrad. Besonders gut eigenen sich daher soziale Medien, um laut zu arbeiten. Im beruflichen Kontext sind beliebte Plattformen zum Beispiel Twitter, Xing, LinkedIn oder Blogs. Ich selbst habe mich nach meinem ersten Working Out Loud Circle für einen eigenen Blog über Neues Arbeiten und Neues Lernen entschieden, um mein Wissen mit anderen Gleichgesinnten zu teilen und zum Austausch einzuladen. Für mich war das eine logische Konsequenz aus meiner früheren Tätigkeit als Chefredakteurin einer Schülerzeitung während meiner Schulzeit. Das Publizieren lag mir schon damals und mit dem Bloggen habe ich das über Working Out Loud in einer modernen Variante für mich wiederentdeckt. Ausserdem nutze ich die sozialen Netzwerke Twitter und Instagram, um Einblicke in meine Arbeit zu geben und mich mit anderen Expert*innen auszutauschen.

Purpose ecosystem
Copyright: Janine Kirchhof

In unserem letzten Gespräch haben Sie das «Purpose Ecosystem» erwähnt, in welchem WOL nur eine von drei Komponenten darstellt. Wie kann es insbesondere langjährige Mitarbeitende dabei unterstützen, mit Sinn und klarer Bestimmung durch das (Arbeits-)Leben zu gehen?

In der heutigen Zeit stehen die Menschen einer immer grösseren Anzahl an Optionen in allen Bereichen ihres Lebens gegenüber. Diese vielfältigen Wahlmöglichkeiten führen dazu, dass Selbstfindung und Selbstverwirklichung immer wichtiger werden. Menschen können und müssen sich heute und in Zukunft ihren Lebensweg selbst suchen. Noch nie war es wichtiger als heute, den Sinn seines beruflichen Schaffens zu kennen, um nicht in der Vielzahl der Möglichkeiten zu erstarren. Um den Menschen bei ihrer Sinnsuche und Sinnerfüllung zu helfen, habe ich das Purpose Ecosystem entworfen. Diese Landkarte bildet Methoden ab, die im Rahmen einer drei-stufigen Purpose-Strategie Orientierung bei der beruflichen Sinnsuche und Sinnerfüllung liefert. Working Out Loud spielt dabei eine wichtige Rolle. Mehr Informationen zum Purpose Ecosystem finden Sie in diesem zuletzt erschienenen Blog-Beitrag.

Vielen Dank, Frau Kirchhof!


Janine Kirchhof im Web


Copyright Portrait: Timmy Niehoff