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20.01.2021 in Wissen von Roland Wanner

Mit den 5 Scrum-Werten erfolgreicher zusammenarbeiten

Mit den 5 Scrum-Werten erfolgreicher zusammenarbeiten

Werte sind zentral für unser Zusammenleben und Zusammenarbeiten, speziell aber auch in Projekten, damit die Teams noch erfolgreicher zusammenarbeiten und in kurzer Zeit innovative Lösungen liefern. Aber wann wurde in Ihrem Unternehmen oder Team zum letzten Mal über Werte gesprochen (falls das Thema überhaupt schon einmal auf den Tisch kam?). Dieser Artikel stellt Ihnen 5 Scrum-Werte vor, mit denen Menschen aus verschiedenen Bereichen noch erfolgreicher zusammenarbeiten können.

Nehmen Sie zwei erfolgreiche Universität-Absolventen, zwei Extrovertierte, einen Programmierer und einen Doktor – und fertig ist das perfekte Projektteam. So einfach ist es leider nicht. Es zeigt sich immer wieder, dass es nicht nur wichtig ist, welche Menschen in einem Team sind, sondern auch, wie die Teammitglieder zusammenarbeiten – und hier spielen Werte eine wichtige Rolle.

In agilen Projekten, wo zum Beispiel mit der Scrum-Methode gearbeitet wird, haben innere, immaterielle und moralische Werte und Handelsmuster einen hohen Stellenwert. Sie haben deshalb eine starke Beziehung zur agilen Einstellung der Teammitglieder.

Unsere Umgangsweise mit anderen

Werte sind als Verhaltensmuster definiert, die uns selbst und unsere Umgangsweise mit anderen repräsentieren. Gemäß dem deutschen Sozilogen Hans Joas sind Werte attraktiv-motivierend, Normen hingegen restriktiv-obligatorisch. Werte sind also breiter aufgestellt als Normen. Sie sind offen für Interpretationen und Diskussionen, weil sie eher abstrakt sind. Normen sind da deutlich konkreter.

Werte sind das Fundament für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Werte in der Zusammenarbeit sind besonders relevant bei selbstorganisierenden Teams. Das heisst, bei Teams, die eine Aufgabe erhalten, aber keinen Vorgesetzten mehr haben und ihre Arbeit selbst und gemeinsam organisieren, selbst entscheiden und nur noch bei Bedarf durch einen Coach unterstützt werden. Eine solche Zusammenarbeit ist anspruchsvoll und muss gelernt werden – und hier sind positiv gelebte Werte entscheidend für erfolgreiche Resultate.

Selbstorganisierende Teams gibt es schon seit vielen Jahrzehnten in der Industrie. Sie haben sich jedoch in der Wirtschaft nie richtig durchgesetzt, bis die agilen Projekte Ende der 1990er Jahre diese Arbeitsweise «wiederentdeckt» hat. Hier haben Werte einen hohen Stellenwert, da in kleinen Teams intensiv und oft unter Zeitdruck an innovativen Lösungen gearbeitet wird. In agilen Projekten wurden bewusst wenige Werte gewählt (bei Scrum sind es fünf), damit diese auch akzeptiert und gelebt werden. Mehr Werte in einem Team wirklich zu leben wäre sehr anforderungsvoll. Die folgende Abbildung zeigt Ihnen die 5 Scrum-Werte.

Scrum Werte
Die 5 Scrum-Werte

Wenn diese Werte durch ein Team verkörpert und gelebt werden, steigert dies:

  • die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsprozesse
  • die Zusammenarbeit im Team
  • die Transparenz im Team
  • das gegenseitige Vertrauen im Team
  • schlussendlich natürlich die Arbeitsleistung

Der Erfolg von selbstorganisierenden Teams beruht sehr stark darauf, dass alle Beteiligten kompetenter bei der Erfüllung dieser fünf Werte werden. Sie verpflichten sich persönlich dazu, die Ziele des Teams zu erreichen – und dazu bilden Werte das Fundament. Die Mitglieder des Teams haben den Mut, das Richtige zu tun und an schwierigen Problemen zu arbeiten. Jeder fokussiert sich auf die definierte Arbeit und die Ziele des Teams. Die Mitglieder eines selbstorganisierenden Teams respektieren sich gegenseitig als fähige und eigenverantwortliche Individuen.

In den nächsten Abschnitten finden Sie eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Scrum-Werte.

Verpflichtung (Commitment)

In selbstorganisierenden Teams verpflichten sich die Teammitglieder persönlich dazu, die gesetzten Ziele zu erreichen. Dazu gehört zum Beispiel, die definierten Aufgaben bis zum Ende fertigzustellen. Das heißt kein Dienst nach Vorschrift. Bei Problemen wird den Anderen geholfen – wo möglich. Man erreicht das Ziel gemeinsam mit vollem Einsatz!

Sie können sich sicher vorstellen, dass dies natürlich nicht immer einfach ist, da das Team stark von Außen abhängig ist, z. B. durch Zulieferungen, Fragen bleiben unbeantwortet oder Entscheidungen von aussenstehenden Parteien oder Gremien werden nicht gefällt.

Der Wert Verpflichtung ist aber einiges breiter zu verstehen, denn dazu gehört auch sich verpflichten zum Team, zur Qualität, zur Zusammenarbeit und zum Lernen. Sich verpflichten das Beste zu tun – jeden Tag. Sich verpflichten zum Arbeits- oder Projekt-Ziel, zu Excellence … und nicht zu guter Letzt zur Vision und zum Leitbild, des Unternehmens.

Mut (Courage)

Finden Sie nicht auch, Mut in der Produkteentwicklung (bei Projekten) ist schon sehr speziell. Das darf natürlich nicht falsch verstanden werden. Im agilen und kollaborativen Umfeld ist dieser Wert jedoch sicher zutreffend. Mut gedeiht, wo die Arbeit im Team von Offenheit und Respekt geprägt ist.

Wir zeigen Mut, Anforderungen zuzulassen, die nie perfekt sind und wir wissen, dass kein Plan die Realität und Komplexität erfassen kann. Mut, alle Informationen zu teilen (Transparenz), die dem Team und der Organisation helfen könnten. Mut, die Richtung zu ändern. Mut seine eigene Meinung zu vertreten, z. B. zu Prozessverbesserungen, auch gegen den Widerstand anderer Teammitglieder. Mut, Risiken und Nutzen zu teilen. Auch der Mut in einer entsprechenden Situation “Nein“ sagen zu können muss aktiv gefördert werden.

Besonders die geforderte Transparenz ist für viele Personen nicht einfach. Auf einmal wird sehr transparent, was sie wirklich leisten, was für Fehler sie machen und dass z. B. Versprechungen nicht eingehalten werden können. Es braucht Mut sich auf vollständige Transparenz einzulassen. Und in der Regel wird dieser Mut belohnt, da auf lange Sicht Vertrauen damit geschaffen wird. Mut hängt aber auch mit dem Wert „Respekt“ zusammen und mit einer offenen Fehlerkultur. Das heißt Mut haben z. B. über Fehler zu sprechen – natürlich auch die Eigenen.

Mit Mut ist nie Übermut gemeint. Wer aber keinen Mut hat und keine Risiken eingeht, gewinnt nichts!

Fokus (Focus)

Das interaktive, inkrementelle Vorgehen bei agilen Projekten und die kurzen Arbeitszyklen (Iterationen) erlauben es dem Team sich besser während der Arbeit zu fokussieren. Sobald die Iteration gestartet ist gilt nur eines: Das definierte Ziel zu erreichen. Nur darauf allein liegt dann der Fokus des Teams.

Ein selbstorganisierendes Team unter Zeitdruck kann nur dann optimale Ergebnisse liefern, wenn es in seiner Arbeit so wenig wie möglich gestört wird. Jede Ablenkung soll vermieden werden, wie das Tagesgeschäft, andere Projekte, Liniensitzungen, Aushelfen bei Kollegen usw.

Die Teammitglieder sollten möglichst nur an einem Projekt und konzentriert in einem abgesonderten Büro zusammenarbeiten. Die Aufgaben/Anforderungen sind ausreichend klar bekannt, so dass konzentriert gearbeitet werden kann. Die Aufgaben werden der Reihenfolge nach abgearbeitet, es wird möglichst nur an einer Aufgabe gearbeitet und durch Qualitäts- und Fertigstellungs-Kriterien ist auch klar, wenn eine Aufgabe fertiggestellt ist.

Offenheit (Openness)

Informationen können nur Nutzen generieren, wenn diese frei zugänglich sind und man damit offen umgeht. Dies ermöglicht fundierte Entscheidungen und fördert die Effizienz während der Arbeit und bietet höchstmögliche Transparenz gegenüber dem Team und den Stakeholdern.

Offenheit erzeugt ein Arbeitsumfeld, in dem man um Hilfe fragen kann und Hilfe anbietet. Offenheit ermöglicht die eigene Perspektive und Meinung zu äussern und unterstützt so Teamentscheidungen. In einer offenen Fehlerkultur kann man Fehler offen kommunizieren, damit alle daraus lernen können. In agilen Projektteams z.B. ist man auch offen, über Disziplinen und Fähigkeiten hinaus zusammenzuarbeiten und offen Feedback auszutauschen und daraus zu lernen. Es braucht Mut sich auf vollständige Offenheit und Transparenz einzulassen. Offenheit schafft Vertrauen!

Suchen Sie mit Ihren Kollegen und Kolleginnen das Gespräch darüber, wie Sie die Werte im Team leben möchten. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und eine noch bessere Zusammenarbeit!