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30.11.2020 in Wissen von Anja Spörndli

Generation wieviel?

Generation wieviel?

Die Auseinandersetzung der Medien mit der Generation Y ist in vollem Gange. Während sich Arbeitgeber noch mit den Werten und Eigenschaften dieser Generation vertraut machen, sind die ersten Jahrgänge der Generation Z im Arbeitsmarkt angekommen. Wird jetzt (nochmals) alles anders? Und gibt es einen gemeinsamen Nenner der Generationen?

Generation Z (2000 bis heute – die Digital Natives 2.0)

Mit der Jahrhundertwende erhalten die Jahrgänge das Label Generation Z. Eine Generation, der Internet, Smartphones und digitales Arbeiten sozusagen in die Wiege gelegt wurde. Es gibt 3-jährige Kinder in meinem Umfeld, die ein eigenes Tablet besitzen und ich bin noch etwas behind the curve - ein Digital Immigrant halt. Ich wünsch mir jetzt eines zu Weihnachten, damit mich meine Tochter nicht überholt. Spannenderweise scheint sich die Generation Z trotz ständiger Erreichbarkeit und allumfassender Digitalisierung und Vermessung wieder auf traditionelle Werte zu besinnen. Das Eigenheim, eine eigene stabile Familie und ein sicherer Job sind hoch im Kurs. Werte, die ihren Eltern vielleicht etwas abgegangen sind, aber mit denen ihre Grosseltern noch sehr viel anfangen können. Und hier schliesst sich auch der Kreis und der unschätzbare Wert des Austauschs zwischen den Generationen. Denn während die Enkelin dem Grossvater das Tablet erklärt, tauscht sich der Enkel mit der Grossmutter über das Thema Jobsicherheit aus.

Die ersten Lernenden der Generation Z sind in der Wirtschaft angekommen, der erste Maturajahrgang hat sein Zeugnis erhalten. Der Wunsch nach einem Job, der zur Persönlichkeit passt, die Suche nach Sinn in der Arbeit und eine gewisse Gelassenheit bezüglich Karriere und Jobwechsel zeichnen die heutigen BerufseinsteigerInnen aus.

Generation Y (1980-1999 – Digital Natives)

Die Generation Y umfasst, je nachdem auf welche Definition man zurückgreift, in etwa die letzten 20 Jahrgänge des 20. Jahrhunderts. Mit Baujahr 1980 gehöre ich selber grad noch knapp in die Generation Y. Jene Generation, die nicht primär auf klassische Tugenden wie Fleiss und Disziplin setzt, sondern Wert legt auf Vereinbarkeit von Beruf und Familie, persönliche Freiheit, Selbstverantwortung und die Sinnhaftigkeit in ihrem Tun.

Übertragen auf meine bisherige Laufbahn ist das vielleicht auch eine Erklärung dafür, warum ich die Weichen immer wieder neu gestellt habe. Die Menschen, die nach 1980 geboren sind, stellen hohe Anforderungen an ihren Beruf, hinterfragen sich und andere und stellen gerne die Sinnfrage. Sie sind bereit, einen grossen Einsatz zu leisten, wollen aber ihre eigenen Bedürfnisse nicht komplett hintenanstellen, wie das früher bei der Generation der Baby-Boomer eher der Fall war. Von Vorgesetzten hört man, dass die unter 40-Jährigen deswegen manchmal anspruchsvoll zu führen seien.

Generation X (1965 bis 1979)

Die heute 40 bis 55-jährigen gelten als ambitioniert, individualistisch und ehrgeizig. Die sogenannte Generation X ist meist gut ausgebildet und materiell abgesichert. Im Gegensatz zur Vorgängergeneration der Baby Boomer stellt die Generation X die Arbeit nicht vor andere Bedürfnisse, sondern betrachtet diese eher als Mittel zum Zweck. Trifft man Mitglieder der Generation X im Job, so fallen sie oft als pragmatisch auf, agieren selbständig und ergebnisorientiert.

Im Rahmen meiner Tätigkeit als Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin am S&B Institut für Berufs- und Lebensgestaltung in Bülach begegne ich auf jeden Fall vielen Menschen aus den Generationen Y und Z mit spannenden Laufbahnen, die sich wiederholt neu erfinden wollen oder müssen.

Generation Baby-Boomer (1946- bis 1964)

Und um das Zusammenleben der Generationen komplett zu machen, mischen auch die Baby-Boomer noch kräftig mit. Aufgewachsen in der Zeit des Wirtschaftswunders haben sie sich sehr intensiv mit ihrer Arbeit identifiziert. Jene Generation, die den Begriff des Workaholics geprägt hat und nun, wenn sie denn noch berufstätig sind, umdenken, sich der Arbeitswelt 4.0 anpassen, sich weiterbilden, flexibel sein und oft auch über einen beruflichen Neustart nachdenken müssen. Vielleicht wollen sie sogar über die starre Pensionierungsgrenze hinaus arbeiten. Ein Gedanke, den sich die Baby-Boomer zu Beginn ihrer Laufbahn wahrscheinlich noch nicht gemacht haben.

Voller Einsatz, wenn es Sinn macht!

Natürlich sind Kategorien per se immer pauschalisierend und im Einzelfall vielleicht unpassend. Mich als Berufs-, Studien- und Laufbahnberaterin freut es aber, dass sich der Grossteil der Arbeitstätigen intensiv mit ihrem Job auseinandersetzt. Und das trifft für alle zu, vom Baby-Boomer bis zu den Vertreter*innen der Generation Z. Denn sie alle müssen sich im heutigen Markt behaupten, sind gefordert flexibel zu sein. Und die meisten Menschen, die ich begleiten darf, wünschen sich eine Aufgabe, bei der sie Sinn im Tun sehen, wo sie Wertschätzung erfahren und ihre Stärken ausspielen können. Was vielleicht auch bedeutet, mal die Spur zu wechseln oder auf eine neue Strasse abzubiegen, immer wieder einen Neustart zu wagen.

Ich freue mich auf viele weitere spannende, abwechslungsreiche und aktiv gestaltete Laufbahnen und Menschen aus allen Generationen und mit dem Mut, Neues anzupacken.