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«Es braucht einen Neustart, ein Rebooten des Systems»

«Es braucht einen Neustart, ein Rebooten des Systems»

Vera Aebi (Happy by Nature) stellt gerade zusammen mit Nathalie Marcinkowski (happyroots) das erste Konferenz-& Weiterbildungs-Retreat zu Future of Work mit Generationendialog auf die Beine – tomorrow @work. Wir wollten von ihr wissen, was sie motiviert hat diese Plattform ins Leben zu rufen und was Neustarter & Unternehmen davon für sich mitnehmen können.

Vera, du organisierst eine Konferenz zu Future of Work. Inwiefern hat das etwas mit Neustart zu tun?

Meiner Ansicht nach stehen wir gerade an einem Punkt in der Arbeits-& Unternehmenswelt, an dem wir mit bestehenden Strukturen und dem aktuellen Mindset nicht recht weiterkommen. Der Mensch wird einfach zu häufig als „Faktor“ betrachtet, den es zu optimieren gilt, statt sich darauf zu fokussieren, wie Umgebungen geschaffen werden können, in denen sich Menschen mit ihren Stärken, Fähigkeiten und ihrem Potential einbringen können. Daher braucht es in gewisser Art und Weise einen Neustart, sozusagen ein „Rebooten“ des Systems, um Raum für neue Denk- & Lösungsansätze sowie Mensch-orientierte Unternehmenskulturen zu schaffen - Arbeit & Wirtschaft weiter denken nenne ich das. Und dazu gibt es ja schon etliche tolle Lösungsansätze, Praktiken, Initiativen und Vordenker, die zeigen, dass eine andere (Arbeits-)welt möglich ist. An diesem Punkt setzt tomorrow @work an, weil sie als Plattform diese Ansätze sichtbar machen möchte, zukunftsgestaltende Unternehmen & Organisationen sowie Pioneers @work zusammenbringen sowie Mut machen will, “Business-as-unusual”-Wege zu gehen – vielleicht sogar einen Neustart im Sinne eines kompletten „Reboots“ zu wagen.

Auf dem Programm sehe ich Inspirations-Inputs zu Agilität, kollaborativen Strukturen, Selbstorganisation, Werte- & Purpose-Orientierung. Warum könnten diese Themen auch für Neustarter*innen 49+ interessant sein?

Auf den ersten Blick mag es vielleicht den Anschein erwecken, dass das Buzzword Future of Work vor allem jüngere Generationen anspricht. Doch letztlich sind diese Themen für alle relevant, die zukunftsorientiert unterwegs sind und die Arbeitswelt von morgen aktiv mitgestalten wollen. Aber natürlich ist es gerade für die älteren Generationen wichtig, up-to-date zu bleiben oder fit-for-future, wie es so schön heisst. Insbesondere, wenn Menschen einen Neustart wagen, ist es essentiell mit neuen Kompetenzen und den nötigen Fähigkeiten gerüstet zu sein, um nicht Spielball der Stromschnellen zu werden, sondern mit einem Kompass in der Hand unterwegs zu sein. Da tomorrow @work eben nicht nur inspirieren will, sondern im Sinne einer Weiterbildung auch konkrete Methoden & Tools hands-on für die Arbeitswelt von morgen vermitteln möchte, sehe ich da durchaus spannende Ansatzpunkte für Neustarter.

Mal ganz unabhängig davon steht bei tomorrow @work der Mensch im Zentrum und es geht primär darum, wie wir Arbeitsumgebungen und das Miteinander so gestalten können, dass Menschen gerne und motiviert arbeiten gehen und ihre Tätigkeit als wichtigen Beitrag für das grosse Ganze wahrnehmen. Und das ist doch eine Frage, die uns alle bewegt - unabhängig vom Alter.

Zu guter Letzt drehe ich deine Frage gerne um: „Warum könnten die Neustarter49+ für tomorrow @work interessant sein?“ Gerade ältere Personen bringen einen unglaublichen Erfahrungsschatz aus ihrem langjährigen Arbeitsleben mit und können die gemeinsame Zusammenarbeit mit all ihren Learnings und ihrem Know-How, ihren Stärken und Perspektiven bereichern. Darum ist bei tomorrow @work auch der Generationendialog als integraler Bestandteil verankert.

Generationendialog, das ist ein spannendes Stichwort. Was hat dich dazu motiviert, den generationenübergreifenden Austausch als Querschnittsthema bei tomorrow @work zu integrieren?

Generationendialog ist ja eigentlich eher ein Begriff, der aus zivilgesellschaftlichen Kreisen bekannt ist. Und dabei ist dieses Thema momentan in Unternehmenskreisen aktueller als nie zuvor … nachdem mitunter oftmals vier Generationen im gleichen Unternehmen arbeiten. Egal in welchem Umfeld bin ich davon überzeugt, dass es für ein gelingendes Miteinander Dialog braucht und gleichzeitig die Bereitschaft, sich auf andere Sichtweisen einzulassen. Nur so kann meiner Ansicht nach auch auf Unternehmensebene Zusammenarbeit langfristig gelingen und konstruktiv sein. Darum steht der GenerationenXchange unter dem Motto: „Wie wollen wir (zusammen-)arbeiten? Finden wir einen gemeinsamen Nenner?

Für mich persönlich hat Generationendialog viele Parallelen zum Leben in einer anderen Kultur. Ich habe mehrere Jahre in Honduras verbracht, das war eine sehr prägende Zeit in meinem Leben und hat so einige meiner ganz persönlichen Sicht-& Verhaltensweisen relativiert. Wer schon mal in einem anderen kulturellen Kontext gelebt hat, der weiss wie es sich anfühlt, wenn die Mitmenschen eine andere Sprache reden, ein anderes Verständnis von Zeit, Verbindlichkeit, Miteinander oder Kommunikation haben oder auch einfach Dinge völlig anders handhaben, als man das selber so gewohnt ist. Nichts anderes passiert, wenn unterschiedliche Generationenprägungen miteinander zu tun haben. Miteinander im Gespräch sein und bleiben hilft da definitiv!

Unabhängig von der Konferenz begleitet mich dieses Thema aber schon länger … so engagiere ich mich auch im Bereich Wohnen dafür, ein Generationenwohnen in Thun zu realisieren. Wenn man so will, ist mir dieses Thema quasi in die Wiege gelegt –durch meinen Jahrgang befinde ich mich genau an der Schnittstelle zwischen Generation X und Generation Y und bekomme das auch immer mal wieder zu spüren. Mal fühle ich mich eher bei der einen Generation zuhause, mal mehr bei der anderen. Man könnte also sagen, dass sich da tagtäglich ein kleiner, innerer Generationendialog bei mir vollzieht.

Wie kann ich mir das mit dem Generationendialog bei der Konferenz vorstellen? Wie genau wollt ihr diesen Aspekt einbinden?

Der generationenübergreifende Austausch soll über den gesamten Ablauf hinweg inhaltlich integriert sein und zusätzlich durch Impulse bei den Plenumsaktivitäten gefördert werden – ergänzend zu den Inspirations-Inputs. Ausserdem wird die Teilnahme von Generationentandems aus so genannten „YoungInnovators“ (kurz vor dem Eintritt ins Arbeitsleben) sowie „Wise Elders“ (kurz vor oder bereits pensioniert mit langjähriger Arbeitserfahrung) angestrebt, um die Diversität der Generationenperspektiven auf eine breitere Basis zu stellen.

Um die Teilnahme von verschiedenen Generationen gezielt zu unterstützen, gibt es zudem ein Generationentandem-Ticket zu vergünstigten Konditionen. Als Generationentandem gelten zwei Personen mit mindestens 20 Jahren Altersunterschied, die sich gemeinsam anmelden. Die Personen können, müssen aber nicht aus dem gleichen Unternehmen sein. Weil uns das Thema GenerationenXchange wirklich wichtig ist, übernehmen wir sogar den Koordinationsaufwand, damit interessierte innovative Einzelpersonen als Generationentandem zusammenfinden.

Du bist interessiert, Teil eines Generationentandems zu werden? Dann melde dich bei uns und wir setzen alle Hebel in Bewegung, um ein „Gspänli“ zu finden.

tomorrow@work

Mehr Infos zu «tomorrow @ work»