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22.10.2018 in Wissen von Stephanie Péus

Der Generationenmix macht's aus

Der Generationenmix macht's aus

Was meinen Sie: Ist es besser, wenn jüngere, aufstrebende oder ältere, erfahrene Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen Entscheidungen treffen?

Eine neue Studie zeigt: die besten Entscheidungen in Unternehmen werden dann getroffen, wenn sie durch jüngere und ältere Mitarbeitende gemeinsam getroffen werden. Der Generationenmix ist also das Geheimnis. Ein Weckruf für Unternehmen auf der ganzen Welt, von der Technologiebranche bis hin zu globalen Organisationen.

«Entscheidungsteams mit jüngeren und älteren Mitarbeitenden übertreffen deutlich alle Teams, welche nur aus jüngeren oder älteren Mitarbeitenden bestehen. Generationenmix-Teams sind eher in der Lage, sinnvolle Entscheidungen zu treffen und Ergebnisse zu liefern, die die Erwartungen erfüllen oder gar übertreffen.»

Warum ist das so?

In der Studie wurden die Auswirkungen des Alters auf 300 Geschäftsentscheidungen analysiert, die von etwa 100 verschiedenen Teams in mehreren Unternehmen über zwei Jahre hinweg getroffen wurden. Das typische Entscheidungsteam bestand aus 5 oder 6 Personen. Die Entscheidungen wurden mithilfe der digitalen Entscheidungsplattform von Cloverpop verwaltet und verfolgt und für diese Forschung aggregiert und anonymisiert.

Wie sich schon bei früheren Untersuchungen herauskristallisiert hat, übertreffen Teams die einzelnen Entscheidungsträger bei weitem. Welch grosse Rolle das Alter der Teammitglieder spielt, war jedoch bis dato noch unbekannt.

Zunächst wurde analysiert, wie oft Teamentscheidungen positive Ergebnisse erzielten, indem nachverfolgt wurde, ob die Ergebnisse der Entscheidungen die Erwartungen erfüllten oder übertrafen. Das Aufteilen der Daten nach dem typischen Alter der Teammitglieder ergab die erste Überraschung:

  • Jüngere Teams trafen Entscheidungen mit 40% positiveren Ergebnissen als ältere Teams.
  • Die Entscheidungsergebnisse von «jüngeren» Teams mit einem Durchschnittsalter unter 35 erfüllten oder übertrafen die Erwartungen zu 62%.
  • Die Entscheidungsergebnisse von «älteren» Teams mit einem Durchschnittsalter über 45 erfüllten oder übertrafen die Erwartungen zu 44% (p = 0,07).

Es sieht ganz danach aus, als hätten die kreativen jüngeren Entscheidungsteams die erfahrenen Älteren geschlagen.

Erfahrung PLUS Kreativität

Man kann leicht stereotypisieren und spekulieren, dass ältere Teams grössere Probleme haben oder dass die Überschwänglichkeit der Jugend die Ergebnisse der jüngeren Teams besser erscheinen lässt. Klingt plausibel. Aber in Anbetracht der Studienergebnisse bezüglich der Altersspanne der Teams zeigt sich ein ganz anderes Bild:

  • Entscheidungsteams, in welchen mehrere Generationen vertreten waren, hatten mehr als doppelt so viele positive Ergebnisse.
  • Entscheidungsteams mit einer grossen Altersspanne (zwischen dem jüngsten und dem ältesten Mitglied liegen 25 oder mehr Jahre), wurden die Erwartungen zu 73% erfüllt oder übertroffen.
  • Entscheidungsteams mit einer kleinen Altersspanne (zwischen dem jüngsten und dem ältesten Mitglied liegen 10 oder weniger Jahre), wurden die Erwartungen zu 35% erfüllt oder übertroffen (p = 0,05).

Mehrgenerationen-Entscheidungsteams erfüllten oder übertrafen die Erwartungen um ein Vielfaches – eine Management-Lektion für die Ewigkeit!

Eine weitere spannende Erkenntnis war die folgende:

  • Bei älteren Entscheidungsteams war die Wahrscheinlichkeit, dass Standpunkte von Jüngeren berücksichtigt wurden, um das Zehnfache geringer.
  • Jüngere Teams würden also sehr wahrscheinlich ein oder mehrere ältere Teammitglieder in ihr Team aufnehmen, während ältere Teams (freiwillig) sehr wahrscheinlich kein jüngeres Teammitglied aufnehmen würden.

Wenn wir die Wahl haben, ziehen wir es vor, mit Leuten zu arbeiten, die uns ähneln, und dazu gehören nun mal Menschen gleichen Alters. Da erfahrenere Arbeitskräfte eher die Führung in Entscheidungsteams übernehmen, ist es nicht verwunderlich, dass sie Teams mit Personen bilden, die in etwa gleich alt sind wie sie.

Das Hindernis: unsere Vorurteile

Eine BCG-Studie aus dem Jahr 2017 hat ergeben, dass die Altersdiversität der Manager einen negativen Einfluss auf die Innovation des Unternehmens hat. Erstaunlicherweise war jedes andere Diversitätsmass in ihrer Studie positiv.

Ein Forschungsbericht aus dem Jahr 2012 ergab spannende Ergebnisse aus mehr als 50 Studien: Altersvielfalt bringt eine breitere Palette von Perspektiven und Fähigkeiten mit sich (gut), aber auch unterschiedliche Ziele und Schwierigkeiten bei der Kommunikation und beim Aufbau von Vertrauen zwischen Altersgruppen (nicht gut).

Wie bei so vielen Einsichten heutzutage, sind es nicht unsere demografischen oder charakterlichen Unterschiede per se, die die grössten Hindernisse für Teams mit mehreren Generationen darstellen. Es sind unsere Vorurteile.

Wenn wir gemeinsam Entscheidungen treffen, greifen wir oft auf «falsches» Fachwissen zurück. Dies führt dazu, dass Menschen unbewusst auf die erfahrensten und extrovertiertesten Personen im Raum verzichten, andere Inputs ignorieren oder ihre eigenen Ideen und Informationen nicht äussern

Digitale Transformation und die Alterszugehörigkeit

Wenn unsere menschlichen Fähigkeiten für die Entscheidungsfindung nicht ausreichen, setzen wir verschiedenste Tools ein. In den Zeiten der digitalen Transformation bedeutet das in der Regel: Software. Was uns zum letzten Teil dieses Puzzles führt.

Um alle für diese Forschung erforderlichen Daten zu verfolgen, wurden die Entscheidungen in der Studie anhand einer digitalen Entscheidungsplattform getroffen. Diese Cloud-Software hat Entscheidungsträger dazu gebracht, ihre Entscheidungen anhand von Best Practices zu treffen und dann die Teammitglieder dazu einzuladen, schriftlich zu reagieren, bevor sie sich persönlich treffen.

Dieser digitale Prozess ebnete jungen und alten Teammitgliedern das Spielfeld und gab jedem die gleiche Möglichkeit, seine eigenen Ideen voranzubringen und die Perspektiven anderer berücksichtigen zu können. Das war eine sehr wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Entscheidungsergebnisse der Teams.

Da die Menschen heute länger und produktiver leben als früher, nimmt die Altersspanne in den Belegschaften stetig zu. Gleichzeitig eröffnet die digitale Transformation neue Wege, Tools und Systeme.

Es ist an der Zeit, diese beiden Trends zielgerichtet zu kombinieren und die Kraft von Multi-Generationen-Teams anzuerkennen und richtig zu nutzen.


Dieser Artikel von Forbes mit dem Originaltitel «Future Of Work: Research Shows Millennials, Gen Xers And Baby Boomers Make Better Decisions Together» wurde durch die Neustarter-Stiftung ins Deutsche übersetzt. Autor des Originalartikels ist Erik Larson.