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«Das Interesse am Thema «Arbeit 49+» war gross, wir sahen uns bestätigt»

«Das Interesse am Thema «Arbeit 49+» war gross, wir sahen uns bestätigt»

Andi Schöni wechselte 2018 als Leiter Relationship- und Business Management zur SIX (Banking Services) und ist seit neun Jahren Mitglied im Stiftungsrat der Neustarter-Stiftung. Seit 2020 übernimmt er die Präsidentschaft des Stiftungsrats der Neustarter-Stiftung und löst damit die langjährige Präsidentin Angela Winkelmann ab, die in den Stiftungsrat wechselt. Wir haben mit Andi gesprochen und mitgeschrieben, was er mit der Stiftung vorhat.

Andi, du bist ja schon ewig im Stiftungsrat – wie würdest du die Jahre, seitdem die Neustarter-Stiftung im Jahr 2016 selbst neu gestartet ist, beschreiben?

Am Anfang der Neuausrichtung stand eine Idee und unsere Überzeugung: Dass aufgrund der demografischen Entwicklung das Thema «Arbeit 49+» immer wichtiger wird. Nachdem wir das erste Jahr hauptsächlich konzeptionellen Fragen und der Entwicklung erster Inhalte widmeten, erfolgte unser eigentlicher „Go Live“ im Sommer 2017. Es gelang dann in kurzer Zeit eine beträchtliche Fan-Gemeinde für Neustarter aufzubauen. Das Interesse am Thema war also gross, wir sahen uns bestätigt. Seither sind wir laufend daran, Inhalte zu entwickeln und unser Netzwerk kontinuierlich auszubauen. Wir haben vieles versucht, vieles davon erfolgreich. Wir wissen immer besser was funktioniert und können so unser Angebot und unsere Positionierung weiter schärfen und optimieren.

Und wo siehst du heute den grössten Mehrwert, den die Neustarter-Stiftung generiert?

Wir tragen bei, einem sehr wichtigen Thema mehr Visibilität zu geben und leisten einen fundierten, sachlichen Diskussionsbeitrag. Wir haben Inhalte entwickelt, sowohl für Privatpersonen, die sich mit einem persönlichen Neustart beschäftigen, wie auch für Firmen, denen ihre Mitarbeitenden 49+ wichtig sind.

Während dem Aufbau unserer Stiftung durfte ich in meinem privaten Umfeld einen Neustart hautnah miterleben. Meine Frau hängte 2016 ihren gut bezahlten Job an den Nagel und startete nochmals völlig neu. Nach 3-jähriger Vollzeitausbildung legte sie im letzten Herbst ihre Schlussprüfungen ab und startete danach ihre eigene Logopädie-Praxis. Es ist wunderbar zu sehen, mit wie viel Begeisterung und Herzblut sie therapiert. Sie hat ihren Neustart noch keine Minute bereut. So wie meine Frau im 2016 denken viele Leute über ihre berufliche Situation und über einen Neustart nach. Oft fehlt dann aber der Mut, diesen Schritt wirklich zu wagen. Privatpersonen zu vernetzen, zu inspirieren und Plattformen für den gegenseitigen Austausch zu bieten ist vielleicht nicht unser grösster Mehrwert, aber doch ein Handlungsfeld, das uns am Herzen liegt.

Wie kam es dazu, dass du seit 2020 die Präsidentschaft übernommen hast und was hast du als Präsident vor?

Ich bin seit vielen Jahren im Stiftungsrat, habe mich 2016 stark für die Neuausrichtung ausgesprochen und seither aktiv mitgestaltet. Dass ich Anfang 2020 die Präsidentschaft übernahm, war so gesehen fast ein logischer Schritt. Als Präsident möchte ich dazu beitragen, die Stiftung personell und finanziell auf eine solide Basis zu stellen, damit wir auch in den kommenden Jahren zum Thema Arbeit 49+ eine gewichtige Stimme sind.

Die Zürcher Kantonalbank ist weiterhin der wichtigste Primärpartner von Neustarter – was kann die Zürcher Kantonalbank und was können künftige Partner erwarten?

Unsere Partner können erwarten, dass sie mit unserer Hilfe «Arbeit 49+» in ihren Unternehmen sachlich und fundiert thematisieren können. Wir helfen bei der Entwicklung von Strategien, mit dem Ziel, motivierende Arbeitsumfelder zu schaffen, um ältere Mitarbeitende länger und für beide Seiten gewinnbringend im Unternehmen zu halten. Mit der Zürcher Kantonalbank stehen wir in einem intensiven Austausch zum Thema. Dank ihrer Vertretung in unserem Stiftungsrat kann die Zürcher Kantonalbank die weitere Entwicklung der Stiftung aktiv mitgestalten.

Was sind deiner Meinung nach generelle Trends oder auch Notwendigkeiten beim Thema Generationenmanagement in Unternehmen?

Für mich ganz wichtig ist der Trend weg von den früher gewohnten «linearen Karrieren». Wellenkarrieren sollten zur Norm werden. Es sollte gesellschaftlich akzeptiert sein und eben zur Norm werden, dass eine Karriere nicht gradlinig verläuft. Mitarbeitende sollten immer wieder neue Herausforderungen annehmen dürfen und so ihr Wissen und ihren Erfahrungsschatz laufend ausbauen. Kombiniert mit lebenslangem Lernen verbessert das die Marktfähigkeit gegen Ende des Berufslebens enorm. Ich selber habe ja als fast 60jähriger bei SIX nochmals einen Neustart gewagt. Diese Chance erhielt ich dank meiner vielseitigen Berufserfahrung und dank meinem Netzwerk.

Unternehmen sollten Arbeitsumfelder schaffen, die für ältere Mitarbeitende stimulierend und motivierend sind, damit ältere Mitarbeitende nicht ihre Pensionierung herbeisehnen, sondern Lust verspüren, länger im Arbeitsprozess zu bleiben. Vor einigen Wochen durfte ich in der SIX gemeinsam mit einer fast 30 Jahre jüngeren Mitarbeiterin die Leitung eines wichtigen Projektes übernehmen. Uns fehlte der „perfekte“ Projektleiter und so kamen wir auf diese eher unkonventionelle Lösung. Wir haben beide enorm Spass und lernen täglich voneinander. Obwohl das Projekt für mich eine enorme Zusatzbelastung darstellt, finde ich es total inspirierend und freue mich jeden Tag von neuem auf die Projektarbeit und den Austausch mit meinem «Co-Head».

Und wie kann Neustarter dazu beitragen, dass erfolgreiche Neustarts in der zweiten Lebenshälfte – sei es nun im oder ausserhalb eines Unternehmens – normaler werden?

Indem wir unsere Botschaft auf allen Kanälen, in den Medien, auf Podien oder eben direkt in Unternehmen anbringen. Indem wir gute Beispiele sichtbar machen und dadurch Impulse geben, inspirieren und ermutigen. Indem wir Plattformen anbieten, damit sich sowohl interessierte Unternehmen wie auch Privatpersonen vernetzen, austauschen und voneinander lernen können.


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