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Austausch zwischen Arbeitswelten und -kulturen

Austausch zwischen Arbeitswelten und -kulturen

Lieber Herr Bretscher, Sie haben mit der Stiftung des Zürcher Bankenverbands das «Praktikum Arbeitswelt 4.0» unterstützt und in der Form überhaupt möglich gemacht – was hat Sie an der Idee begeistert?

Der Gedanke, einen Austausch zwischen den Arbeitswelten und -kulturen von etablierten Grossunternehmen und kleinen Start-ups zu ermöglichen, ist bestechend. Das schafft für die beteiligten Unternehmen ebenso grossen Nutzen wie für die Praktikantinnen und Praktikanten selbst.

Wie können Unternehmen, die Praktikant*innen entsenden, profitieren?

Die konkrete Erfahrung aus der Arbeit in kleinen, autonomen Gruppen, die auf diese Weise in die Unternehmen einfliesst, ist ein grosser Gewinn und bringt viele neue Impulse.

Was fänden Sie selbst am spannendsten, wenn Sie vier Wochen in die Welt eines Start-ups eintauchen könnten?

Ich habe das grosse Privileg, ständig zwischen den Welten von grossen, mittleren, kleinen und kleinsten, jungen und seit Jahren etablierten Unternehmen wechseln zu dürfen und auch einen regen Austausch mit der Fintech-Szene zu pflegen. Diese sehr bereichernde Erfahrung gönne und empfehle ich allen.

Was sind, ganz allgemein gefragt, die Voraussetzungen, um sich auch nach langen Berufsjahren, weiterentwickeln zu können?

Aus meiner Sicht ist es das Wichtigste, immer wieder neu zu erkunden und zu erfahren, was die eigenen Stärken sind und wie und wo man diese am besten zum Tragen bringen kann.

Vor welchen Herausforderungen steht die Finanzbranche zwischen Digitalisierung und demografischem Wandel im Hinblick auf die Belegschaft?

Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blicken auf viele Jahre erfolgreicher Arbeit zurück und können sich nur schwer vorstellen, dass sich ihr berufliches Umfeld in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren mit grosser Wahrscheinlichkeit stark verändern wird. In dieser Situation die Bereitschaft und die Freude an der persönlichen Weiterentwicklung zu erhalten oder wieder zu wecken, ist für die Mitarbeitenden wie für die Unternehmen ebenso wichtig wie herausfordernd.

Und was sind neben Instrumenten wie dem «Praktikum Arbeitswelt 4.0», das bedingt skalierbar ist, Mittel und Wege, um die Chancen in diesem Zusammenhang zu nutzen?

Die wichtigste Aufgabe der Unternehmen ist es, die Mitarbeitenden darin zu bestärken, ihre Chancen in der neuen Arbeitswelt zu nutzen, ihr Potential zu erkennen und sich weiter zu entwickeln. Mit diesem Ziel hat Arbeitgeber Banken gemeinsam mit dem Kaufmännischen Verband Schweiz und CYP den Lehrgang «Skills 4.0» entwickelt. Mit der gleichen Absicht erarbeitet die ZHAW im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Bankenverband zurzeit eine Studie über die beruflichen Entwicklungsoptionen für Bankprofis mit konkreten Vorschlägen für Mitarbeitende und Unternehmen. Wir werden die Ergebnisse gegen Mitte Jahr präsentieren.

Wir sind immer wieder fasziniert, wie viel Energie freigesetzt wird, wenn sich Menschen aller Generationen in unseren Formaten auf Augenhöhe begegnen. Könnte es vielleicht sein, dass ein echtes Abflachen der Hierarchien in der Bankwelt, die Potentiale von Jung und Alt und Frau und Mann noch besser fördern und binden könnte?

Lassen Sie mich diese Frage differenziert beantworten. Aus meiner Sicht hat das Organigramm eines Unternehmens nur bedingt mit der gelebten Unternehmenskultur zu tun. Entscheidend sind weniger die Struktur und die Hierarchiestufen als vielmehr der Umgang miteinander – eben die Begegnung und der Austausch auf Augenhöhe. Alles, was diesen stärkt, ist förderlich für das Unternehmen. Dazu gehören auf jeden Fall persönliche Erfahrungen, wie sie zum Beispiel Neustarter ermöglicht.

Wir bei Neustarter sind bekanntermassen Fans von Neustarts – Könnten Sie sich für sich selbst vorstellen, nochmals etwas ganz Neues zu beginnen oder empfinden Sie Ihre vielfältigen Tätigkeiten ohnehin als stetige Veränderung?

Es ist in der Tat so, dass sich meine Arbeitswelt, meine Aufgaben und meine Tätigkeiten in den vergangenen mehr als dreissig Jahren ständig und häufig unerwartet verändert haben und zweifellos auch weiter verändern werden. Dies meist nicht aufgrund von bewussten Richtungswechseln, sondern aufgrund von neuen Ideen und Herausforderungen, die mich reizen, denen ich nachgehe und aus denen sich neue Prioritäten ergeben.


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