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Arbeitswelt 65plus – aktuelle Zahlen

Arbeitswelt 65plus – aktuelle Zahlen

Mit dem Ausbau der Altersvorsorge sanken Zahl und Anteil an Frauen und Männern, die auch nach dem 65. Lebensjahr weiterhin erwerbstätig waren, ständig. Frühpensionierungen haben den Trend zu einem frühen Ruhestand zeitweise verstärkt. In den letzten Jahren zeigt sich eine klare Trendwende und der Anteil der 65-jährigen und älteren Menschen, die weiter oder neu erwerbstätig sind, hat sich erhöht. Zwischen 2010 und 2017 stieg die Erwerbsquote der 65-jährigen und älteren Männer von 13.8% auf 16.4% und bei den 65-jährigen und älteren Frauen von 6.7% auf 9.4%.

Viele der Erwerbspersonen im AHV-Alter arbeiten als Selbständige und der Anteil der selbständig Erwerbstätigen hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Gegenwärtig sind dies fast die Hälfte der erwerbstätigen Männer 65+ und etwas weniger als ein Drittel der erwerbstätigen Frauen 65+. Darin wiederspiegeln sich zwei Sachverhalte: Einerseits verbleiben selbständig Erwerbende – etwa freie Berufe und handwerklich-gewerbliche Selbstständige – häufiger auch im AHV-Alter weiterhin erwerbstätig, oft aus Freude am Beruf, aber auch weil sie geringe Renten aus der zweite Säule aufweisen. Auch Nachfolgeprobleme beim eigenen Betrieb können zur Weiterarbeit im Alter beitragen.

Andererseits zeigt sich eine verstärkte Tendenz, dass Arbeitnehmer sich – wenn sie nach 65 weiter oder neu arbeiten – verselbständigen, sei es dass sie ein eigenes Unternehmen gründen oder sei es, dass sie sich nicht mehr fest anstellen lassen (oder nicht mehr fest angestellt werden). In jedem Fall arbeitet nur eine Minderheit der 65-jährigen und älteren Erwerbspersonen in einem klassischen Arbeitsverhältnis.

Arbeitswelt 65plus_Tabelle 1

Die meisten haben einen akademischen Hintergrund

Das klassische Bild des pensionierten Arbeiters ist das Bild einer Hilfskraft, die einfache Arbeiten übernimmt. Dieses Bild ist vollständig veraltet. So ist der Anteil an 65-jährigen und älteren Personen, die als Hilfsarbeitskräfte tätig sind, zumindest in der Schweiz gering (und es betrifft nur 5% der Männer und 11% der Frauen). Häufiger ist eine akademische Tätigkeit, auch weil Personen mit tertiärer Ausbildung generell öfters auch nach 65 weiterarbeiten (können). Bei 9% der erwerbstätigen Männer 65+ und bei 6% der gleichaltrigen Frauen handelt es sich um Führungskräfte (sei es als Unternehmer oder als Manager, die ihre Erfahrungen und sozialen Kontakte weitergeben und nutzen).

Teilzeitarbeit ist beliebt – bei Frauen und Männern

Arbeit 65+ ist allerdings grossmehrheitlich Teilzeitarbeit und zwar nicht allein bei Frauen, sondern auch bei Männern. Teilzeitarbeit im Alter kann sich entlastend wirken und kann dazu beitragen, dass späte Freizeit und späte Berufsarbeit gut kombiniert werden können. Die finanzielle Absicherung durch AHV und eventuell berufliche Rente erlaubt es, beruflich kürzer zu treten. Eine Vollzeitarbeit nach 65+ ist zur Ausnahme geworden und daran wird sich auch in den nächsten Jahren wenig ändern. Dies bedeutet aber auch, dass selbst eine rasche Zunahme der Frauen und Männer, die auch nach 65+ weiterarbeiten, nicht zu einer entsprechenden Ausweitung des Arbeitsvolumens führt. Gleichzeitig wird ein stärkerer Ausbau der Altersarbeit von Unternehmen nur erfolgreich sein, wenn entsprechende Teilzeitangebote vorliegen.

Arbeiten am Sonntag, in den eigenen vier Wänden

Zu einem gewissen Grad weist die Erwerbsarbeit von AHV-Rentnern und AHV-Rentnerinnen momentan immer noch den Charakter einer Arbeit auf, die eingesetzt wird, um fachlich-berufliche Lücken bei den jüngeren Fachkräften abzudecken. Entsprechend ist etwa «Arbeit auf Abruf» bei den 65-jährigen und älteren Erwerbstätigen deutlich stärker vertreten als bei jüngeren Erwerbspersonen. Entsprechend bestehen bei der Altersarbeit häufig keine formalen Arbeitszeitvorgaben.

Abendarbeit ist zwar im Alter nicht häufiger, dafür aber Arbeit am Sonntag. Auffallend ist auch, dass relativ häufig zu Hause gearbeitet wird (Hauptarbeitsort «private Wohnung»).

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Ein kurzer Blick in die Zukunft

Die Arbeitswelt 65+ befindet sich im raschen Wandel. Sie dürfte weiter an Bedeutung gewinnen und wird wahrscheinlich auch vermehrt im Rahmen normaler Arbeitsverhältnisse stattfinden. Gleichzeitig wird sich auch in Zukunft eine bedeutende Gruppe pensionierter Erwerbstätiger dagegen wehren, die Freiheiten der späten Erwerbsarbeit 65+ aufzugeben. Wenn Unternehmen und Organisationen die Kompetenzen und Ressourcen von Frauen und Männern im AHV-Alter nutzen möchten – etwa um einem Mangel an jüngeren Fachkräften zu kompensieren – geht dies nur, wenn entsprechend flexible Arbeitsformen angeboten werden.

Wahrscheinlich wirkt sich zudem die spürbare Haltung gegenüber Älteren sowie die Qualität der Aufgaben und der Arbeitsgestaltung motivierend aus. Die späte Freiheit der Pensionierung erlaubt zunehmend mehr Frauen und Männern auch von späten Freiheiten der Erwerbsarbeit zu profitieren.