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5 Gründe, im «Ruhestand» zu arbeiten

5 Gründe, im «Ruhestand» zu arbeiten

Hilary Henderson

Mit der Babyboomer-Generation ändert sich auch die Bedeutung des Begriffs «Ruhestand». In allen Wörterbüchern wird der «Ruhestand» als ein Status definiert, den man durch den Austritt aus dem Arbeitsleben erlangt. Aber selbst wenn viele von uns es sich finanziell leisten könnten – wir haben nicht die Absicht, unsere Arbeit einfach links liegen zu lassen.

Meine Schwester, die vor Kurzem 70 geworden ist, liess neulich die Bemerkung fallen, unsere Eltern seien in ihrem Alter mit Sicherheit keine Halbmarathons mehr gelaufen, so wie sie es heute noch tue. Recht hat sie. Meine Eltern haben ihren Lebensrhythmus mit wachsendem Alter absichtlich verlangsamt. Obwohl meine Mutter stolze 92 Jahre alt wurde. Mein Vater, ein Farmer, übergab mit 64 Jahren die Familienfarm meinem Bruder und zog in die Stadt. Von da an hat er sich nicht mehr gross bewegt.

Warum denken wir denn heute, dass wir den Ruhestand anders angehen sollten als unsere Eltern?

1. Wir leben länger

Wir haben gute Chancen, bis in die hohen 90er auf der Erde zu weilen, vielleicht schaffen wir sogar ein ganzes Jahrhundert! Untersuchungen haben ergeben, dass wir eine 50%ige Chance haben, 100 Jahre alt zu werden. Da hatten unsere Eltern weniger gute Aussichten.

Ich erinnere mich noch genau daran, wie schnell ich nach meiner Pensionierung im Alter von 60 Jahren erkannt habe, dass ich mit 95 ganze 35 Jahre meines Lebens als Rentnerin verbracht haben werde – während ich vor der Pensionierung gerade mal 38 Jahre gearbeitet habe! Und noch war und bin ich wirklich nicht bereit, den ganzen lieben langen Tag für wohltätige Zwecke zu stricken.

2. Wir sind noch immer aktiv

Ich trainiere im Fitnessstudio, wandere am Wochenende und laufe jeden Tag 30 bis 40 Minuten mit den Hunden auf einer Bergbahn. Mein Leben hat sich seit meiner Pensionierung nicht merklich verlangsamt. Ganz im Gegenteil.

Eigentlich bin ich noch aktiver geworden, da ich an mehr Sportanlässen teilnehmen kann als früher. Heute kann ich meine flexiblen Arbeitszeiten so einteilen, dass sie meinen Sportunterricht nicht stören – ganz anders als damals, wo ich den Sport in meiner begrenzten Freizeit unterbringen musste.

3. Es gibt so viele Möglichkeiten

Der vierten industriellen Revolution sei Dank gibt es heute die Möglichkeit, von unterwegs zu arbeiten und ganz anderen Tätigkeiten nachzugehen, die es vor einiger Zeit noch gar nicht gab. Das hat uns Babyboomern etliche Türen geöffnet, um über die Pensionierungsgrenze hinaus weiterarbeiten zu können, wenn wir wollen. Wenn du für diese neuen Arbeitswelten offen bist, ist auch dein Alter oft irrelevant – solange du natürlich über die erforderlichen Fähigkeiten verfügst.

Im Internet spielt die Altersdiskriminierung meist keine Rolle – vorausgesetzt, du hast dich dazu entschieden, mit der rasanten technischen Entwicklung Schritt zu halten. Aber auch wenn du technisch nicht sonderlich versiert bist, gibt es viele andere Möglichkeiten, dich sinnvoll zu beschäftigen.

4. Das Konzept «Arbeit» verändert sich

Das Konzept 9-5 verliert immer mehr an Sinn und Beliebtheit. Es gibt viel mehr Möglichkeiten für kleine Projekte. Will man zum Beispiel anbieten, für runde Geburtstage Geburtstagstorten zu backen, braucht man keine ganze Bäckerei zu eröffnen. Man braucht nur bekannt zu machen: «Ich backe tolle Geburtstagstorten zu allen runden Geburtstagen». Eine passende kleine Teilzeitbeschäftigung im «Ruhestand».

5. Freiwilligenarbeit – Angebot ohne Ende

Das Kuchenbacken für runde Geburtstage ist ein netter Nebenverdienst. Es geht jedoch nicht immer ums Geld. Das Angebot, sich freiwillig zu engagieren, ist riesig – insbesondere in weniger privilegierten Gemeinschaften. Leistet man Freiwilligenarbeit im Ausland, zahlt man die Unterkunft und die Verpflegung meist sogar aus der eigenen Tasche. Die Belohnung für die geleisteten Hilfestellungen ist die Dankbarkeit derer, die die Hilfe dringend gebraucht haben. Anpacken beim Bau von Wohnhäusern oder Schulen, Tiere pflegen, auf einem Bauernhof arbeiten, Fremdsprachen unterrichten. Die Auswahl ist gross. Es gibt so viel zu tun. Warum sollten wir also den ganzen Tag über Jahre hinweg rumsitzen oder Golf spielen?

Sicher, manche Menschen möchten sich unmittelbar nach ihrem «Austritt aus dem Arbeitsleben» entspannen und sich über ihre neue Lebenssituation bewusstwerden. Aber nach kurzer Zeit sind auch diese Menschen auf der Suche nach etwas, das ihrem Leben einen gewissen Zweck, eine Bedeutung, einen Sinn gibt. Oft ist es nur ein Bonus, das Tüpfelchen auf dem i, wenn dieser Sinn auch noch etwas Geld einbringt.

Was werden Sie im «Ruhestand» tun? Wollen Sie weiterhin gegen einen Lohn arbeiten, vielleicht sogar eine Selbstständigkeit anstreben? Oder möchten Sie Freiwilligenarbeit leisten?

Bemerkung der Neustarter-Stiftung: Möglichkeiten, sich darüber auszutauschen, gibt es jeden letzten Dienstag im Monat am Neustarter Stammtisch. Wir freuen uns auf Euch!



Dieser Artikel von «Sixty and Me» mit dem Originaltitel «5 reasons more boomers are working in retirement – it is not just about the money» wurde, mit freundlicher Genehmigung der Autorin Hilary Henderson und der Redaktion, von Stephanie Cengiz ins Deutsche übersetzt.